Spielend lernen #8: Spieltipp

Natalie Bolte

Je mehr sich Dein Baby zu einem Kleinkind entwickelt, desto überraschter wirst Du sein, wie viel es sich merken kann. Jetzt beginnt die Zeit, wo der noch relativ „leere Speicher“ sich zu füllen beginnt. Hilf mit und habt Spaß dabei.

 

Merken & wiedererkennen

 

Junge mit Bauklötzen

Durch die unaufhaltsame Entwicklung des Gedächtnisses Deines Kindes, erweitert sich sein Horizont in ganz großen Schritten und seine Welt gewinnt an immer weiteren sogenannten „Kategorien“ hinzu. Doch was bedeutet das genau? Bei uns Erwachsenen geschieht das „in Kategorien denken“ ganz automatisch. Wir nehmen eine Situation wahr und haben ihr, im Unterbewusstsein und innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde, eine Kategorie zugeordnet. Ein schönes Beispiel erfahren wir fast täglich in der Werbung: Auch wenn die Kuh auf dem Bildschirm lila ist, ordnet unser Unterbewusstsein sie automatisch der Kategorie „Kuh“ zu und wir wissen genau, dass es sich um keine neu entdeckte, lilafarbene Tierart handelt, sondern logischerweise um eine Kuh.

Jetzt macht sich Dein kleiner Schatz auf den Weg, sich genau diese Kategorien und Muster anzueignen und zu verwenden. Aber halt! Natürlich nicht allein, sondern mit Dir zusammen. Wie Du Dein Kind dabei auf spielerische Weise unterstützen kannst, wollen wir dir in diesem Teil von Spielend Lernen zeigen.

Egal, wie detailliert Du Deinem Kind einen Löwen erklärst, für Deinen Schatz werden die Erklärungen erst mal nur leere Worthülsen sein. Wenn Du diese leeren Hülsen jedoch mit Inhalten, wie Bildern, Geräuschen oder sogar etwas zum Anfassen füllst, dann kann Dein Kind am eigenen Leib erfahren, was ein Löwe ist.

Hole den Löwen und den Affen in Dein Wohnzimmer

 

BabyFuchsMach Dich ruhig sprichwörtlich zum Affen und ahme Tierlaute nach oder versuche Dich, wie ein Löwe zu bewegen und zu brüllen. Natürlich besteht die Gefahr, dass Deine Nachbarn erstmal verdutzt durch Ihr Fenster schauen werden, aber Dein Kind wird sich sicherlich nicht denken „wie albern benimmt sich denn die Mama?!“ Das Ziel dieser ganzen Leibesübung ist die Anregung der vielen Millionen Gehirnstränge Deines kleinen Kindes. Wie bei einer Dominokette wird durch Dein Schauspiel der erste Stein angestoßen, der das ganze Gehirn durchläuft und Assoziationen in verschiedenen Regionen des kleinen Köpfchens anregt. Mit der Zeit wird Dein Baby schon viel besser verstehen, was einen Löwen oder Affen ausmacht.

Tiere sind ein dankbarer Start, wenn Du mit Deinem kleinen Sonnenschein das Wiedererkennen ein wenig üben möchtest. Ganz wunderbar geht das, wenn Ihr gemeinsam ein Bilderbuch anschaut. Gerade für den Anfang empfiehlt sich ein Buch, das nur ein Tier auf einer Seite abbildet und in dem es sich ausschließlich um Tiere dreht. Hier können wir “Mein erstes Tierbuch” von Ravensburger oder das Soft Bilderbuch von der „Fun Company“ empfehlen. Von einem „Wimmelbuch“ sollte zu Beginn Abstand genommen werden, da die Reizüberflutung einfach zu groß wäre.

Bilderbuch- Tipp

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Meistens sind die einfachsten Dinge, die Besten. Dieses Soft- Bilderbuch ist gerade am Anfang eine super Sache, da Babys alles in den Mund stecken, was bei einem Pappbilderbuch von Nachteil wäre. Dieses kann man abwaschen und es toleriert, wenn der kleine Sonnenschein mal etwas grober zufasst. Selbst in der Badewanne macht es eine gute Figur.

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Wecke den Tiger in Dir

 

PapaliestSchaut Euch gemeinsam die unterschiedlichen Tiere im Buch an und beschäftigt Euch intensiv mit ihnen. Dabei bist Du und Deine kreative Ader wieder gefragt: Nenne zuerst den Namen des Tieres und zeige mit Deinem Finger auf das Bild im Buch. Somit weiß Dein Kind, dass Du gerade über das Tier im Buch redest. Wenn Du die Aufmerksamkeit Deines Schatzes hast, kannst Du loslegen: Versuche den Namen des Tieres immer mit einem typischen Geräusch zu verbinden: „Der Löwe brüllt ganz laut: Wraaagh“. Halte dabei Augenkontakt zu Deinem Kind und schaue, wie es auf Dein Affentheater reagiert. Großartig wäre es, wenn Dein kleiner Tierforscher im Anschluss auf den Löwen im Buch deutet und möchte, dass Du wieder das Geräusch machst. Dann hat es nämlich die Verbindung zwischen Namen, Tier und Geräusch schon ein wenig verstanden.

Klingt vielleicht erst mal nicht spektakulär, ist aber schon eine echte Herausforderung für Die grauen Zellen Deines kleinen Einsteins. Wiedererkennen geschieht hier nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Ohren. Denn der Klang des Tiernamens wird später genauso mit dem Tier in Verbindung gebracht, wie das dazugehörige Bild. Verzichte bei dieser Übung vorerst auf umfangreiche Erklärungen. Sie sind verwirrend und erschweren Deinem Kind die richtige Zuordnung von Name und Tier.

Lasse Deiner Fantasie freien Lauf und versuche Stofftiere Deines Sprösslings mit einzubeziehen. Ihr findet im Kinderzimmer bestimmt ein paar Tiere, deren Namen Du nicht nur benennen, sondern deren Laute Du auch nachahmen kannst. Hier ist der große Vorteil, dass Du nicht immer nach einem bestimmten Bilderbuch greifen musst.

wusstestduNatürlich möchte ich etwas lernen! Aber überfordere mich nicht!

 

Du solltest unbedingt auf die kleinen Zeichen achten, die Dir Dein Kind sendet. Wenn es bei Euren kleinen „Lernübungen“ irgendwann anfängt zu schreien, dann war es zu viel. Versuche den Zeitpunkt, wann es genug ist, vorher zu wählen, damit Dein kleiner Schatz auch auf Dauer Spaß am Lernen hat.

Unser erster Spieltipp: Das Gugus-Dada-Spiel

 

2.2Ein echter „Renner“ unter den sozialen Spielen für die Anregung des Kurzzeitgedächtnisses ist das allseits bekannte „Gugus-Dada-Spiel“. Du kennt das Spiel nicht? Na, dann wollen wir das schnellstmöglich ändern. Eine frühe Form dieses Spiels mit dem Kurzzeitgedächtnis Deines Kindes geht folgendermaßen:

Variante 1: Nimm Dein Baby auf den Arm. Eine zweite Person macht hinter Deinem Rücken Späßchen mit Deinem Liebling. Nun „verschwindet“ diese Person und kommt auf der anderen Seite wieder zum Vorschein. Für einen kleinen Moment wird diese Person so für Dein Baby „unsichtbar“. Da es aber in der aktuellen Entwicklungsstufe langsam weiß, dass nichts einfach verschwindet, wird Dein Baby nun anfangen zu suchen. Was meinst Du, wie groß die Freude Deines kleinen Schatzes ist, wenn seine Erwartung erfüllt wird und die Person auf Deiner anderen Seite wieder findet.

Eine weiterführende Form des Gugus-Dada-Spiels geht wie folgt:

Variante 2: Nimm ein Tuch und decke damit Dein Gesicht ab. Gleichzeitig sagst Du „Gugus“. Nach ein bis zwei Sekunden ziehst Du das Tuch weg und sagst „Dada“. Nach ein paar Durchgängen kannst Du noch eine weitere Variation einbauen, indem Dein Gesicht an einem anderen Platz wieder erscheint. Du wirst nach kurzer Zeit herausfinden, wie lange Du Dich unter dem Tuch verstecken darfst, damit Du bei Deinem Baby eine Spannung aufbaust, aber keine Angst oder Langeweile auslöst.

Unser Spieltipp für kreative Bastler: Der Tütenkasper

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Jetzt wo Dein Kind versteht, dass Dinge nicht verschwinden, sobald sie nicht mehr zu sehen sind, werden Versteckspiele immer interessanter. Ein selbstgebastelter Tütenkasper für Kleinkinder ist ein besonders spaßiges und kreatives Versteckspiel, um das Verständnis der Objektpermanenz Deines kleinen Entdeckers zu fördern.

Was Du für den Tütenkasper brauchst:

  • Einen großen Plastikbecher (0,5l) oder eine Kaffeedose
  • Einen Stift, kleinen Ast oder Essstäbchen (bekommst Du gratis beim Chinesen um die Ecke)
  • Ein kleines Spielzeug, wie eine Fingerpuppe, eine kleine Figur oder ein kleines Kuscheltier
  • Schere, Sekundenkleber oder Tesafilm

tütenkasperSchneide ein ausreichend großes Loch in den Plastikbecher/ die Dose, um einen Stift, einen kleinen Ast oder ein Essstäbchen hindurchzustecken. An das Ende dieses Stocks, welches sich innerhalb des Gefäßes befindet, klebst Du mit Sekundenkleber oder Tesafilm ein kleines Spielzeug, welches komplett in den Plastikbecher oder die Kaffeedose passt. Bei der Auswahl des Spielzeugs an der Spitze des Stocks hast Du und Dein kleiner Sonnenschein die Qual der Wahl. Bastle Deine eigene Fingerpuppe aus Filz, nimm eine kleine Plastikfigur oder kaufe ein niedliches Kuscheltier – hier sind Dir keine Grenzen gesetzt. Wenn Du dich entschieden hast, musst Du das niedliche Tierchen nur noch befestigen und fertig ist Dein selbstgebastelter Tütenkasper.

Ziehe den Stock nach unten, um das Tier im Innern des Gefäßes verschwinden zu lassen. Lasse es durch Drücken des Stabes mit einem lustigen Geräusch wieder erscheinen. Hier ist großer Spaß für Deinen Kleinen garantiert.

Unser Spieltipp für kleine Entdecker: Das Kistenspiel

 

Baby in a boxIn der aktuellen Spielphase liebt es Dein Baby, Dinge, die versteckt werden, wiederzufinden. Mit unserem „Kistenspiel“ wird neben dem Verständnis der Objektpermanenz auch die Feinmotorik geübt.

Was Du für das Kistenspiel brauchst:

  • eine Kiste oder Pappkarton mit Deckel
  • ein Spielzeug Deiner Wahl

Lege den Pappkarton vor Deinen kleinen Abenteurer und zeige ihm das ausgewählte Spielzeug. Benenne es laut und deutlich, damit Dein Kind eine Verbindung herstellen kann und die Aufmerksamkeit geweckt ist. Dann legst Du das Spielzeug vor den Augen Deines Kindes in die Kiste ab und verschließt den Deckel. Hilfreich ist es, wenn Du das Verschwinden mit einem erstaunten Gesichtsausdruck und der Frage „Wo ist das Spielzeug denn hin?“ kommentierst. So wird für Dein Baby deutlich, dass hier etwas passiert ist. Wenn Du dann die Kiste wieder öffnest und das Spielzeug herausnimmst, wird die Freude bei Deinem Kleinen groß sein. Wiederholst Du dieses Spiel immer öfter, kannst Du Deinem Baby auch zeigen, wie es selber nach den Dingen suchen kann. Hilf ihm dabei die Kiste zu öffnen und bald wird Dein kleiner Entdecker den Dreh von alleine raus haben.

Dein Kind lernt daraus, dass Gegenstände zwar augenscheinlich weg sind, aber doch weiter existieren. Somit löst es sich von dem Empfinden „Aus den Augen aus dem Sinn“.

Auf den Punkt gebracht

 

Diese Fähigkeiten unterstützen unsere Spieltipps in der aktuellen Spielphase Deines Babys:

  • Das Gugus-Dada-Spiel, der Tütenkasper und das Kistenspiel sind ideale Spiele, damit Dein Baby versteht, dass Dinge nicht weg sind, bloß weil sie nicht mehr gesehen werden.
  • Unsere Spieltipps fördern das Verständnis Deines Kindes für die Objektpermanenz.
  • Dein Baby lernt durch unsere Spieltipps, sich an Dinge/Gegenstände zu erinnern.
  • Die Spieltipps regen das Kurzzeitgedächtnis Deines Kindes an

 Du bist gefragt

 

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