Spielend Lernen #9: Mittel zum Zweck

Nadine Bäsig

Was genau sind diese „Kategorien“, die Deinem Baby eine Basis geben, um seine Umwelt besser zu verstehen? Im aktuellen Wissensteil wollen wir Dir zeigen, was diese Kategorien mit der aktuellen Spielphase Deines Kindes zu tun haben und welche Entwicklungen dadurch angetrieben werden.

 

Die Welt in Kategorien

 

Baby liest in BüchernIn der letzten Ausgabe haben wir Dir gezeigt, welche Rolle die sogenannten „Kategorien“ für Dein Kind beim Wiedererkennen von Objekten spielen. Diese neue Fähigkeit beansprucht sehr viel Zeit und ist eine sehr anstrengende Phase, da der kleine Denkapparat Deines Schatzes sehr viele Eindrücke verarbeiten muss und Entwicklungen durchmacht. Während dieses Lernprozesses, wird Deinem Kind bewusst, dass es seine Welt in Gruppen einteilen kann. Es begreift, dass sich „Dinge“ ähnlich sind: Gleich aussehen, dasselbe Geräusch machen, ähnlich schmecken, riechen oder sich anfühlen. Kurz: Dein Baby entdeckt, dass mehrere Dinge dieselben Eigenschaften aufweisen. So lernt Dein kleiner Schatz z.B., was eine Kuh ist. Es merkt, dass jede Kuh in dieselbe Kategorie gehört. Egal ob die Kuh weiß, schwarz, braun, gefleckt oder sogar lila ist. Ebenfalls merkt Dein Baby, dass es egal ist, ob die Kuh in natura auf der Weide steht oder in einem Buch abgebildet ist. Eine Kuh ist eben eine Kuh!

Natürlich kann Dein Baby nicht über Nacht alles in Kategorien einteilen. Um das zu beherrschen, muss es die Menschen, Tiere und Dinge gut kennen lernen. Dazu muss ihm bewusst werden, dass das „Ding“ bestimmte Anforderungen erfüllen muss, wenn es in eine Kategorie passen soll. In diesem Punkt lernt Dein Baby aus Erfahrung, Übung und Zeit.

Kleiner Forscher

 

Sobald Dein Baby die Fähigkeit zum Wahrnehmen von Bilden und Kategorien bekommen hat, fängt es an zu experimentieren. Wie sagt der Volksmund so schön: Probieren geht über Studieren. Dein kleiner Student belegt nun seine eigenen Vorlesungen. Menschen, Tiere und andere Dinge werden betrachtet, beobachtet, verglichen, nach Übereinstimmungen sortiert und dann in der jeweiligen Kategorie „gespeichert“. Viele „Forschungsergebnisse“ bilden also eine Kategorie. Dein Baby geht hier tatsächlich vor wie ein Forscher: Es betrachtet Übereinstimmungen und Unterschiede. Es fühlt, schmeckt, probiert aus, und wenn ein Geräusch dazu existiert, wird Dein kleiner Forscher auch ganz genau hinhören.

Kategorien und Zusammenhänge

 

babyHat Dein Baby nun die Fähigkeit erlangt, die Welt  in Kategorien einzuteilen, macht es sich auch sofort ans Werk: Es testet nicht nur, was die Kuh zur Kuh oder die Blume zur Blume macht, sondern auch, welche Zusammenhänge es gibt und in welche Kategorien sich diese einordnen lassen. Anders ausgedrückt, versteht Dein Baby nun die Auswirkungen einfacher Handlungen. Wird z.B. eine Rassel mehrmals geschüttelt, begreift Dein Baby den Zusammenhang zwischen seiner Handbewegung und dem Ton, der aus der Rassel ertönt. Die Kategorie „Rassel“ wird mit dem Rasselgeräusch in Verbindung gebracht. Das Verständnis für solche Zusammenhänge erschließt sich Deinem Baby im Alltag auf verschiedenste Art und Weise. Wie? Zum Beispiel am Lichtschalter: Wird der Schalter gedrückt, geht das Licht an. Zieht man an einer Schnur, bewegt sich das Spielzeug, welches an dieser befestigt ist. Ursache und Wirkung sind die Voraussetzung für das Denken in Kategorien.

Untersuchungen zeigen, dass sich Babys ab diesem Zeitpunkt ganz anders verhalten. Damit wurden frühere Gedankengänge widerlegt, die besagten, dass solange ein Kind noch nicht sprechen kann, es auch nicht wirklich denken kann. Diese Vorstellung dominierte bis vor rund 20 Jahren die Entwicklungspsychologie. Heute wissen wir, dass es auch „vorsprachliches“ Denken gibt, und dass dieses präverbale Denken überhaupt erst die Voraussetzung für das Entstehen sinnvoller verbaler Kommunikation schafft. Denken tut Dein kleiner Schatz also schon vorher, nur eben anders.

Wusstest Du schon, …

icon-info… dass die Hirnstromkurven von Babys mit ca. 8 Monaten drastische Veränderungen aufweisen? Der  Kopfumfang des Babys nimmt in dieser Zeit in beträchtlichem Maße zu. Zudem ändert sich der Glukose-Stoffwechsel im Gehirn, was für eine erhöhte Gehirntätigkeit spricht. 

Verstehen und verstanden werden

 

Familie mit BlumeDu und Dein Baby versteht Euch auf einmal viel besser? Wir sagen dir woran das liegt: Dein Baby denkt nämlich jetzt fast schon wie ein Erwachsener, also wie Du. Begreift und benutzt Dein Baby seine neuen Fähigkeiten, kann es plötzlich auch Deine Denkweise nachvollziehen und Ihr versteht Euch besser. Jetzt beginnt auch die Zeit, in der Dein Baby anfängt sich Dir mitzuteilen, und zwar so, dass Du es verstehen kannst. Dabei stellt Dein Baby nun seine gesamte Erlebniswelt auf den Prüfstand und erforscht sie. Für uns Erwachsene sind Kategorien etwas ganz normales – wir denken über Kategorien überhaupt nicht nach. Es sind Millisekunden, in denen wir ein „Ding“ einer Kategorie zuordnen oder Zusammenhänge konstruieren können. Für Dein Baby handelt es sich aber um eines der größten Veränderungen in seinem noch kurzen Leben. Dass da Dein Baby durcheinander geraten kann, ist nur verständlich. Dein Baby ängstigt sich eventuell in der neuen Situation, weil es noch nicht begreift, was auf einmal mit ihm los ist. Plötzlich sieht es Gefahren, die bisher noch nicht bestanden, z.B. Höhenangst. Plötzlich merkt es, dass da auch andere Menschen sind, die genauso sind, wie es selber. In solch einem Moment der Angst ist es am besten Mitgefühl zu zeigen und das verbal Deinem kleinen Schatz kundzutun.

Denke bitte immer daran, dass Dein Baby in seiner „neuen Welt“ nicht alles auf einmal kann. Jetzt mit 9 Monaten und 2 Wochen bekommt Dein Baby zum ersten Mal Zugang zu dieser Welt. Wann sich Dein Baby was aneignet, hängt jedoch ganz alleine vom Interesse Deines kleinen Schatzes ab und davon, wie viel Gelegenheit zur Erforschung seiner Umwelt er dazu erhält.

Aufforderung MitmachenErkennt sich Dein Baby bereits selber im Spiegel und quietscht und jauchzt es dabei vor Freude? Hat Dein kleiner Schatz Spaß an Bilderbüchern? Dann drück auf den Auslöser Deiner Kamera und schick uns Deine Bilder und Videos. Wie immer wäre es super, wenn Du Dir für unseren Kurzfragebogen Zeit nehmen würdest! Wir freuen uns auf Dein Feedback! 

Erforschung von Zusammenhängen

 

Baby_mit_WürfelnDu kannst Deinem Baby helfen zu verstehen, weshalb etwas in eine bestimmte Kategorie fällt. Gib Deinem Baby Gelegenheit und Zeit so zu experimentieren und zu spielen, dass es begreifen kann, warum etwas einer bestimmten Kategorie zuzuordnen ist. Du kannst Dein Baby auf neuen Ideen bringen. Geh dabei auf die Interessen Deines Babys ein, damit hilfst Du ihm am besten. Es ist dabei nicht wichtig, welche Kategorie Dein Baby zuerst erforscht. Ist Deinem Baby erst einmal bewusst geworden, was eine Kategorie ausmacht, kann es dies später ganz einfach auf andere Kategorien anwenden. Lass Dich einfach von Deinem Baby leiten – es kann eben nicht alles auf einmal tun.

Bei der Erkundung von Kategorien wirst Du feststellen, dass Dein Kind damit beschäftigt ist, eine ganze Reihe von Erkennungsmerkmalen zu untersuchen und zu vergleichen. Es spielt dann mit den Zusammenhängen. So lernt es die wichtigsten Erkennungsmerkmale kennen. Dein Baby entdeckt, ob etwas leicht oder schwer, groß oder klein, rund oder eckig ist oder wie es sich anfühlt. Es erkennt, dass Wasser aus dem Wasserhahn kommt, wenn Du daran drehst oder interessiert sich dafür, zu prüfen, was passiert, wenn es auf den Lichtschalter drückt. Die Situation wird über mehrere Minuten ausführlich studiert. Dein Baby dreht den Kopf, probiert nochmal den Lichtschalter aus, hält ihn schief, drückt erneut und bewegt sich elektrisiert vor und zurück. So kommt Dein Baby zu seinen Erkenntnisen, dass z.B. tatsächlich das Licht beim Drücken des Lichtschalters angeht. Finde heraus, was Deinem Baby gefällt und lass ihm freien Lauf beim Erforschen seiner Umwelt.

Die Bereiche/Kategorien auf einen Blick

 

  • Erkennen von Dingen: Dein Baby lässt merken, dass es z.B. ein Auto oder einen Vogel wiedererkennt, egal ob auf einem Bild oder in echt. Es zeigt, dass es z.B. eine bestimmte Mahlzeit ekelig findet. Dein Baby begreift Namen von Tieren oder Dingen wie etwa Zahnbürste.
  • Erkennen von Zusammenhängen: Dein Baby begreift die Auswirkungen seiner Handlungen. Durch wiederholtes Schütteln einer Rassel erkennt es den Zusammenhang zwischen seiner Handbewegung und dem Ton einer Rassel. Das Verständnis für kausale Zusammenhänge ist geboren.
  • Erkennen von Menschen: Dein Baby wendet sich mit deutlichen Lauten und Gebärden an andere Menschen und macht diese vielleicht auffällig oft nach. Auch möchte es jetzt häufiger mit anderen spielen.
  • Erkennen von Menschen in unterschiedlichen Situationen: Dein Baby erkennt Dich, wenn Ihr beiden vor dem Spiegel steht und vor allem es erkennt sich selber im Spiegel oder auf Fotos. Dein Baby erkennt jetzt auch Menschen, die es in einer völlig anderen Situation wieder sieht.
  • Erkennen von Gefühlen: Dein Baby wird jetzt zum ersten Mal eifersüchtig, wenn Du einem anderen Kind Deine Aufmerksamkeit schenkst. Wenn Du aber auf ein anderes Kind sauer bist, dann ist es nicht eifersüchtig. Wenn Dein Baby etwas erreichen will, ist es besonders lieb. Dein Baby ist jetzt auch sensibler gegenüber Stimmungen anderer Babys. Es weint z.B. mit, wenn ein anderes Baby weint.
  • Die Mutterrolle übernehmen: Dein Baby vertauscht nun gerne die Rollen und beginnt von sich aus ein Spiel, z.B. spielt es Kuckuck mit einem jüngeren Baby. Vielleicht gibt Dein kleiner Schatz auch Dir das Fläschchen und möchte Dich füttern. Dein Baby fordert Dich dazu auf, Bauklötze zu stapeln, indem es Dir seine Klötzchen gibt.

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