Spielend Lernen #1 – Manuelles Erkunden

Julia Holzmann

Es ist wieder Entdeckerzeit.
Du kennst das bestimmt auch, oder? Die letzten Wochen wanderte alles was Dein Baby in die kleinen Fingerchen bekommen hat sofort in den Mund. Du musstest Dich zurückhalten, es nicht davon abzuhalten? Durchatmen – jetzt wird der Mund von den Händen abgelöst.

Manuelles Erkunden. Ein komischer Begriff?

„Manuelles Erkunden“ ist schon ein komischer Begriff. Klingt seltsam, ist aber total spannend. Hinter diesem Begriff steckt viel mehr als man im ersten Moment glauben würde. An was denkst Du wenn Du „Manuelles Erkunden“ hörst? Klingt nicht wirklich nach Spass oder? 

Glücklicherweise ist es das aber – für Dein Kind und auch für Dich. Erfahre mit uns, was sich hinter diesem Wortungetüm verbirgt. Am Ende dieses Artikels klingt es ein bisschen mehr wie Musik in unseren Ohren. Versprochen!

Spielend Lernen. Wo ist das Manuelle Erkunden einzuordnen?

laughing baby playing with motherGerade auf die Welt gekommen, alles ist neu! So viele neue Eindrücke – Puh ganz schön anstrengend. Erst einmal Mama und Papa kennenlernen. Wie reagieren sie auf mich und das was ich tue? Nach einer Weile weiß Dein Kind ganz genau: Das sind Mama und Papa, die sind immer da, wenn ich sie brauche. Die hab ich am liebsten und geb ich nicht mehr her.

Anschließend wird der eigene Körper interessanter. Was kann ich mit diesen kleinen Händchen alles anstellen? Erst einmal in den Mund damit, hmmm lecker!  Schon gewusst, dass das auch eine beruhigende Wirkung auf die Kleinen hat? Danach werden die Hände von den Babyaugen ziemlich genau inspiziert. Aha so sehen sie aus! Wow, meine Händchen sind schon super! Dann ist es an der Zeit, dass sich die Hände gegenseitig kennenlernen. Wer später mal so eng zusammenarbeitet, muss sich in und auswendig kennen. Im Team machen sich die Babyhände auf den Weg, um das perfekte Greifen zu lernen.
Gezielt greifen kann Dein Kleines schon im Schlaf. Damit ist der Grundstein für das Spiel der folgenden Monate gelegt.

Dann wird die Welt erkundet! Alles was Babys in ihre Fingerchen bekommen, landet zuerst einmal im Mund. Das ist anfangs das wichtigste Erkundungswerkzeug für Dein Kind, um die große Welt mit diesen vielen unbekannten Dingen kennenzulernen. Hast Du Dich auch nicht selten dabei ertappt, Deinem kleinen Spatz Dinge wegnehmen zu wollen, die er sich mal wieder nach Herzenslust in den Mund steckt? Ist doch eklig! Wird mein Kind von dem Schmutz nicht krank? Erwachsene würde das nie machen, wie kann es gut für die Kleinen sein? Du kannst aber beruhigt sein. Mundeln ist total natürlich. Dein Kind macht das, um die Welt kennenzulernen. Also lass auch Du Dein Kind diese Erfahrung machen. Solange die Dinge nicht verschluckt werden können oder sich Dein Kind damit verletzen könnten, weitermachen lassen! Vielleicht einfach mal nicht so genau hinschauen, wenn es Dich bei dem Gedanken schüttelt, was Dein Liebling da gerade im Mund hat.

Nach dem „Mundeln“ oder der „Oralen Phase“ folgt nun das „Manuelle Erkunden“.

icon-infoHauptsache, Mama ist da

Für den neu entdeckten Forscherdrang hat sich die Natur etwas sehr Praktisches ausgedacht: Das Fremdeln. Im Alter von circa 7 Monaten fängt Dein Schatz an, auf weniger bekannte Menschen misstrauisch oder ängstlich zu reagieren. Das funktioniert quasi als eingebaute Sicherheitsbremse, damit Dein kleiner Schatz vor lauter Entdecken nicht verloren gehen. Dass Mama oder Papa in der Nähe sind, ist für Dein Baby beim Spielen besonders wichtig. Wenn Du in Hör- oder Sichtweite bist, fühlt sich Dein Baby sicher und geborgen – noch weiß es nicht, dass ein anderes Zimmer nicht gleich Verlust bedeutet. In Sicherheit kann Dein Schatz beruhigt spielen und entdecken, denn für Dein Baby wird die Welt immer größer…

icon-wissenWissenswertes genau zur richtigen Zeit

Gerade noch ist Dein Kleines friedlich im Bettchen gelegen, und plötzlich ist es lebhaft und neugierig – im zweiten Lebenshalbjahr geht die Entwicklung eines Babys unglaublich schnell voran. Diese Zeit ist die Zeit des Entdeckens.

Kinder beginnen ihre Weltentdeckung mit „Mundeln“. Dein Kleines hatte jetzt alles einmal im Mund? Dann kommen jetzt immer mehr die Hände ins Spiel.

Du wirst Dein Kind jetzt immer mehr dabei beobachten können, wie es Dinge mit den Händen kennenlernt. Dein Liebling tastet und fühlt jetzt für sein hand-84613_640Leben gern. Gegenstände werden von einer in die andere Hand gegeben, hin und her bewegt, gegeneinander geschlagen oder in hohem Bogen auf dem Fußboden geworfen. Und das nicht nur einmal. Dein Kleines will ausprobieren: Wie viel Kraft brauche ich, um meinen Teddy hochzuheben? Puh…um mein großes Holzspielzeug hochheben zu können, muss ich mich aber ganz schön anstrengen. Wie schwer ist die Schmusepuppe im Vergleich zu meinen Holzklötzchen? Welchen Klang macht ein Löffel, wenn er zu Boden fällt? Hui das klingt ja ganz anders als wenn mein Teddy mal wieder Flugübungen macht und auf dem Boden landet. Klingt banal! Ist es aber für die Kleinen nicht. Und deshalb wird es mehrfach ausprobiert, bis sie sich wirklich sicher sind wie sich die unterschiedlichen Dinge anfühlen und anhören.

Was lernt Dein Kind auf seiner Entdeckungsreise kennen?

  • Clara_spieltOberflächen: Weich oder hart, glatt oder rau, flauschig oder stachlig…?
  • Gewicht: Wie viel Kraft brauche ich um Dinge hochzuheben?
  • Klänge: Wie klingen verschiedene Materialen, wenn sie auf dem Boden laden?
  • Farben: Grün, Rot, Blau – wow!

So viel ist das doch gar nicht? Was für uns glasklar ist, ist für die Kleinen ganz schön spannend. Sie machen all diese Erfahrungen zum ersten Mal. Klar, dass man sich da mehrmals versichern muss, ob es wirklich immer gleich klingt, wenn ich den Holzklotz auf meinen Hochstuhl haue.

Es gibt für die Kleinen so viel kennenzulernen auf dieser großen Welt. Dabei ist es für sie unglaublich wichtig, dass Du sie beim Entdecken unterstützt. Kinder sind von Natur aus unglaublich neugierig und interessiert an allem, was sie noch nicht kennen. Das, was sie noch nie gesehen haben, existiert in ihrer Welt einfach nicht. Sie werden Dir also nicht zeigen können: „Hey ich würde gerne mal wissen wie sich Papier anfühlt.“ Hier bist Du und Deine Kreativität gefragt. Gibt Deinem Liebling für seine Entdeckungsreise alles was Dir in den Sinn kommt.

Aber Achtung! Auch jetzt nimmt Dein Baby gerne noch viele Dinge in den Mund. Achte darauf, dass keine kleine, leicht verschluckbare Teile dabei sind.

icon-spieltipp„Spielsachen“ sind in dieser Zeit nicht nur Spielzeug aus dem Spielzeugladen. Für die Kleinen kann alles zum Abenteuer werden. Besonders Alltagsgegenstände, die Mama und Papa oft benutzen sind für die Kleinen höchst interessant. Man wäre doch selber gerne schon so wie Mama und Papa. Gebt Euren Kinder also auch Dinge aus dem Haushalt zum Erkunden. Wie interessant so eine Tupperbox, eine kleine Metallschüssel oder das Nudelholz doch sein können. Lass Dein Kind möglichst viele verschiedene Gegenstände und Materialien kennenlernen. Es ist toll dabei zuzusehen, wie sich Kinder stundenlang damit beschäftigen können. Manchmal ist die Verpackung interessanter als das Spielzeug darin. Auch eine Tupperbox mit Kochlöffel wird Dein Kind lange bei Laune halten. Plastik und Holz werden zuerst erkundet und vielleicht entdeckt Dein Liebling auch gleich seine musikalische Seite…Du siehst Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Natürlich gibt es auch Spielzeuge, die wie gemacht sind für kleine Forscher in diesem Alter. Ein Spielzeug – so viel zu Entdecken.  Besonders gut eignen sich beispielsweise die Stoffwürfel von Haba.

Eine Seite so, die nächste ganz anderes. Knuddelweich, glänzend glatt, zu welcher Seite zieht es die Fingerchen als nächstes? Jede Seite hat eine andere Farbe und ein anderes Muster. Alles so schön knallig. Sie laden zum Kuscheln, Tasten, Greifen und vielleicht schon bald zum Stapeln ein. Die Geräusche, die sie beim Schütteln von sich geben, machen sie besonders interessant. Versteht Dein Liebling schon woher die Geräusche kommen und dass er selber Einfluss darauf nehmen kann? Diese Würfel machen die Entdeckungstour noch interessanter.
miBaby hat sich einen besonderen Spieltipp mit den Würfeln ausgedacht: Das Würfel-Entdecker-Spiel!

Geht gemeinsam auf Entdeckertour

Das Spiel drückt den Entwicklungsstand des Kindes aus, denn Dein Baby zeigt Dir jetzt ganz von selbst wie weit es ist, was es will und was es noch nicht will. Wenn das „gegeneinander schlagen“ oder „zu Boden werfen“ für uns sinnlos oder vielleicht sogar aggressiv wirkt, immer daran denken: Das ist es nicht. Es ist vielmehr ein neuer Schritt in der Entwicklung Deines Babys. Es will ausprobieren, sich und seine Umgebung erleben – eben spielend lernen!

Unterstütze Deinen Liebling auf diesem Weg.

Du bist gefragt!

Hast Du andere Ideen, was kleine Forscher in diesem Alter toll finden könnten? Dinge, die man zum Spielzeug umfunktionieren kann? Das Lieblingsspielzeug Deines Entdeckers? Her mit Euren Spielideen, Verbesserungsvorschläge, Tipps und Tricks 😉 Einfach alles was Euch in den Sinn kommt.

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