Technik und Kleinkind – Sollte Dein Baby Smartphone und Co. zum Spielen bekommen?

Marlen Greb

Man sieht sie überall – kleine Minimenschen am Handy oder Tablet der Eltern. Routiniert bedienen schon Kleinstkinder technische Geräte. Für manch einen mit Sicherheit ein Anblick, der nur schwer zu ertragen ist. Doch ist Technik fürs Kleinkind nur ein Fluch oder gibt es auch sinnvolle Anschaffungen?

Die heutige Generation wächst mit allerlei technischen Geräten auf. Smartphone, Tablet und Co. sind für viele Kinder Normalität. Doch wie macht man es als Eltern nun richtig? Ist es ratsam, alles Technische gänzlich zu verbannen und sein Kind davon fernzuhalten? In welchem Maß ist Technik fürs Kleinkind ok? Gibt es Produkte, die empfehlenswert sind? Wir haben für Dich recherchiert!

Man kommt nicht einfach nicht drumrum …

… das ist jedenfalls mein Gefühl. Wo man früher als Kind gebastelt und gemalt hat, bekommt heutzutage Baby Smartphone, Tablet und Co. ganz selbstverständlich in die Hand gedrückt. Jedes zweite Spielzeug dudelt irgendeine nervtötende Melodie – selbst Puppen quasseln mit blecherner Stimme, was das Zeug hält.

Wenn ich an „Technik und Kleinkind“ denke, muss ich immer wieder an eine Story denken, die mir meine Hebamme einmal erzählt hat. Für mich eine der kuriosesten, gleichzeitig aber tragischsten Geschichten zu diesem Thema. Doch gleich mehr dazu.

Welchen Schaden richtet Technik-Konsum bei meinem Kleinkind an?

Frühes Lernen ist hierzulande sehr angesagt. Die Generation „Smartphone-Baby“ wird mit allerlei Lernspielzeug „beschallt“, die Werbung suggeriert bereits werdenden Eltern, welches technische Gerät ihr Kind wann unbedingt „braucht“. Doch möglicherweise schadet zu viel Stimulation weit mehr als sie nutzt. Eine US-Studie mit Mäusen hat gezeigt, dass Mäuse, die in einem sehr jungen Lebensalter zu viel Stimulation durch wiederkehrende Geräusche oder Bewegung ausgesetzt waren, ein geringeres Wachstum von Gefäßen in ihrem Gehirn aufwiesen – und das meist irreversibel. Forscher warnen nun, dass dieser Effekt auch beim Menschen denkbar sei. Hierzulande gibt es leider erstaunlich wenige Studien zu den Themen „Was macht Reizüberflutung mit meinem Baby?“ oder „Sollte mein Baby Smartphone und Tablet tatsächlich schon zum Spielen bekommen?“.

Wie so oft ist vermutlich der gesunde Mittelweg die richtige Wahl – nicht fernhalten von Technik, aber das Kleinkind auch nicht „überfluten“. Doch wie finde ich das richtige Maß?

Wie erziehe ich mein Kind gut, aber auch nicht weltfremd?

In anderen industrialisierten Ländern wird sich weit weniger mit dieser Frage beschäftigt als hierzulande. Wie selbstverständlich bedienen Kleinstkinder in vielen anderen Ländern ihr Tablet und die Eltern schauen stolz zu, statt sich Sorgen zu machen.

Es gibt allein gefühlte Millionen an Apps für Smartphone und Tablet, viele sind mit Sicherheit sinnbefreit und nervtötend, einige jedoch sind tatsächlich recht niedlich gemacht. So gibt es digitale Liederbücher (teils mit Karaoke-Funktion) oder eine Bauernhof-App, bei der man zunächst alle Tiere ins Bett bringen muss, ehe das Kind selbst ins Bett „geschickt“ wird. Ebenso kann auf dem Tablet gemalt werden oder sich eben auch mal fix das Sandmännchen angeschaut werden. Alles in Allem wirklich niedlich.

Wir sind der Meinung, wie bei anderen Medien auch – die Masse macht’s. Auf keinen Fall sollte das Tablet oder Smartphone als Babysitter dienen, nur damit das liebe Kleine „ruhig“ ist. Ebenso ist eine Dauerberieselung mit Sicherheit ebenfalls nicht empfehlenswert. Gegen eine maßvolle Benutzung, wie zum Beispiel um das Sandmännchen zu gucken oder bei einem langweiligen Arztbesuch im Wartezimmer ein bisschen zu „Malen“, spricht unserer Meinung nach nicht viel.

Wichtig ist einfach, dass das Kind den Bezug zu anderen Beschäftigungsmöglichkeiten – Malen mit „echten“ Stiften, Lesen in „echten“ Büchern, Bauen mit Bauklötzen – niemals verliert.

Welche Produkte aus dem Bereich Technik sind tatsächlich empfehlenswert?

Grundsätzlich würde ich Dir immer empfehlen: Kaufe Spielzeug ohne „Geräusche und Sounds“. Die Kreativität Deines Kleinen wird hier einfach viel mehr gefordert und es kann viel freier spielen. Ein spezielles „Baby Smartphone“ ist sicher nicht nötig.

Wenn Du aber ein elektronisches Spielzeug für Dein Kind anschaffen möchtest, gibt es auch hier einige empfehlenswerte:

Das Simba Play and Lern Tier-Keyboard ist wirklich hübsch gemacht. Das Tier-Keyboard ist für Kinder ab 3 Jahren geeignet und bietet umfangreiche Spielmöglichkeiten, ohne wirklich „nervtötend“ zu sein. Dein Kleines kann verschiedene Tierstimmen und Musikstücke abspielen, Lieder aufnehmen und wiederholen lassen, den Rhythmus verändern oder eigene Stücke kreieren. Ein Kind, das Spaß an der Musik hat, wird hiermit sicher viel Freude haben.

Kein Smartphone, aber trotzdem ziemlich „smart“ ist das Globetrotter Kindertelefon. Es überzeugt zum einen, da es nicht zu aufdringlich ist (die Lautstärke ist regulierbar) und Dein Kind somit auch nicht mit Eindrücken überflutet wird. Ein weiterer Vorteil: Es kann später an ein kleines Geschwisterchen weitergereicht werden, da das Telefon sehr robust ist und bisher sehr positiv durch seine hohe Lebensdauer auffiel.

Ein Klassiker: Die sprechende Farm von Chicco ist nicht nur ein beliebtes Spielzeug für Dein Schatz, sondern sie fördert auch interaktiv das Gedächtnis sowie die sprachlichen Fähigkeiten ab circa 12 Monaten. Klar, dass es deshalb hier nicht fehlen darf. Besonders wertvoll ist die Farm für Kinder, die zweisprachig aufwachsen, da man sowohl Englisch als auch Deutsch als Sprache festlegen kann! Von uns eindeutig: Daumen hoch!


Kinder imitieren ja schrecklich gerne. Alles, was Mama und Papa machen, machen sie am liebsten auch. Da kommt ein kleiner Staubsauger, wie der Fisher-Price Lernspaß Staubsauger doch gerade recht. Schiebt das Kind den Staubsauger vor sich her, erklingen Lieder und Sätze. Drückt das Kind die aufleuchtenden Knöpfe oder betätigt es den Ein-/Ausschalter, werden weitere Lieder aktiviert.


Eine (wahre) Geschichte aus dem Alltag

Zum Thema „Technik und Kleinkind“ fällt mir eine Story meiner Hebamme ein, bei der ich noch heute nicht sicher bin, ob ich nun darüber lachen oder fassungslos den Kopf schütteln soll. Wenn ich genau darüber nachdenke, ist es nur im ersten Moment witzig – denn diese Entwicklung ist im Grunde einfach unfassbar traurig:

Eine Schwangere kam zu besagter Hebamme immer in die Vorsorgesprechstunde. Einmal brachte sie ihr ca. 3 Jahre altes Kind mit. Während Mama untersucht wurde, durfte sich das Kind in der Spiele-Ecke beschäftigen. Es gab Stifte zum Malen und Bücher zum Lesen. Das Kind schnappte sich zielgerichtet eins der Bücher in A5 Größe, schlug es auf und begann wie wild im Buch „herumzuwischen“. Nach einigen Versuchen war es gefrustet und schimpfte „das Buch sei kaputt“. Es stellte sich heraus, dass das Kind das Buch offenbar mit einem Tablet verwechselt hatte und schlicht nicht gelernt hatte, mit dem Medium „Buch in Papierform“ umzugehen…

Daher plädieren wir mit Nachdruck dafür, Kindern neben den oft durchaus pfiffigen Technik-Spielzeugen auch „normales“ Spielzeug schmackhaft zu machen. Denn was ist schon ein digitaler gegen einen richtigen Klötzchenturm?