Tragen, klar. Doch womit? Die schwierige Wahl der richtigen Tragehilfe

Vanessa Glunz

Zwei Drittel der Weltbevölkerung trägt ihre Kinder den ganzen Tag nahe am Körper. Dadurch erfährt das Baby nicht nur die Nähe zur Mutter, sondern es ist auch praktisch, nicht immer einen sperrigen Kinderwagen mitnehmen zu müssen. Deshalb haben wir uns dem Thema mal angenommen.

Dein Baby möchte am liebsten ganz oft nahe bei Dir sein und Deine Wärme spüren. Schließlich hat es neun Monate in Deinem Bauch verbracht, Deine Herztöne gehört und Deine Wärme spüren dürfen. In der aufregenden Zeit nach der Geburt werden Babys oft von Reizen überflutet, und sehnen sich nach körperlicher Nähe und Beruhigung.

Vielleicht hast auch Du das Gefühl, dass Dein Baby am liebsten andauernd auf den Arm genommen werden möchte. Die Befürchtung, das Baby durch das Getragenwerden zu sehr zu „verwöhnen“, ist übrigens nicht berechtigt. Gerade in den ersten neun Monaten ist körperliche Nähe ein Grundbedürfnis, wie das Hunger- oder Schlafbedürfnis, das mit Hilfe einer Tragehilfe wunderbar zu befriedigen ist. Wenn das Baby getragen wird, empfindet es weniger Angst und schreit unter Umständen auch weniger.

Zudem bringen die vielen Traghilfen auch viele Vorteile mit sich: Es ist praktisch, beim Spazierengehen oder einem Ausflug nicht immer den sperrigen Kinderwagen mitnehmen zu müssen. Und auch zuhause kann es für Eltern eine große Erleichterung sein, durch die Tragehilfe die Hände für den Haushalt oder fürs Kochen freizuhaben.

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Dein Baby zu tragen, kann ohne eine geeignete Tragehilfe jedoch schnell zu Rückenbeschwerden und Muskelkater führen. Wenn Du die Arme freihaben und Dein Baby entspannt und sicher tragen möchtest, kommst Du an einer Tragehilfe nicht vorbei. Gut, dass es auf dem Markt ein großes Angebot an Tragetüchern und Babytragen gibt, das stetig wächst und verbreitert wird.

Die miBaby-Experten haben sich dem Thema Tragehilfen angenommen und folgende Fragen beantwortet:

Tragetuch versus Babytrage – für was soll ich mich entscheiden?

Die erste Entscheidung, die es zu fällen gilt, ist die Frage, ob ein Tragetuch oder eine Baby/-oder Komforttrage angeschafft werden soll. Hierzu hat die miBaby-Redaktion die wichtigsten Vor- und Nachteile der einzelnen Tragehilfen zusammengetragen. Am besten ist es jedoch, wenn Du beide Alternativen von Tragehilfen einfach selbst einmal ausprobierst!d

Auf was muss man beim Kauf einer Tragehilfe achten?

Falls die Entscheidung für eine Art von Tragehilfe bereits gefallen ist, haben wir übersichtliche Checklisten erstellt, auf was beim Kauf einer Komforttrage oder eines Tragetuchs zu achten ist.

Die Babytrage / Komforttrage:

Ergobaby Komforttrage

In einer Babytrage sitzt das Baby in einer Art „Rucksack“ eng am Körper der oder des Tragenden. Die Babytrage kann leicht angelegt werden und ist durch verstellbare Gurte auch von mehreren Personen benutzbar. Meist kann das Baby sowohl auf dem Rücken als auch auf dem Bauch getragen werden. Das Baby sollte den Blick jedoch immer zum Tragenden hin gerichtet haben, da es durch den Blick nach vorne sowohl durch die vielen Reize überlastet wird, als auch eine überstreckte, ungesunde Haltung einnehmen muss.
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Vorteile der Babytrage:

  • Die Babytrage ist einfach und schnell anzulegen
  • Auch andere Personen können das Baby problemlos tragen
  • Durch Hüft-/Bauchgurte an der Babytrage kann das Gewicht gut verteilt werden
  • Komforttragen sind auch für ältere und schwerere Kinder geeignet
  • Bei Vätern sind die Babytragen oft beliebter als das Tragetuch

Nachteile der Babytrage:

  • Das Baby sitzt in vielen Babytragen nicht in der anatomisch korrekten Anhock-Spreizhaltung (vor allem, wenn der Steg zu klein ist!) oder wird nicht ausreichend gestützt
  • Die Babytrage kann bei ungenügender Verstellbarkeit einschneiden oder drücken und für Baby und Elternteil unbequem sein
  • Die meisten Babytragen sind für Neugeborene nur bedingt oder gar nicht geeignet

Das Tragetuch

MOBY WRAP elastisches Baby-Tragetuch

Das Tragetuch ist ein etwa 5 m langes Tuch, das um Mutter (oder Vater) und Kind gewickelt wird. Es sind unterschiedliche Varianten möglich. Der Stoff des Tragetuchs sollte weder zu starr noch zu weich sein und in der Diagonalen nachgeben. Leicht raue Tragetücher lassen sich gut knoten. Neben den herkömmlichen gewebten Tragetüchern werden auch elastische Tragetücher aus Baumwolljersey angeboten. Sie werden gerne bei Neugeborenen verwendet, da sie sich besonders gut an das Baby anschmiegen. Allerdings erlauben elastische, dünnere Tragetücher weniger Bindevarianten und das Maximalgewicht ist eingeschränkt.
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Vorteile des Tragetuchs:

  • Das Baby kann von Beginn an getragen werden
  • Das Tragetuch lässt sich klein zusammenfalten, passt also auch in eine Wickeltasche
  • Das Baby nimmt bei richtiger Bindung automatisch die anatomisch korrekte Anhock-Spreizhaltung ein
  • Das Tragetuch passt sich dem Körper von Baby und Tragendem ideal an
  • Das Tragetuch bietet viele individuelle Tragevarianten, zwischen denen man abwechseln kann: Bauch, Rücken, Hüfte…
  • Tragetücher halten schön warm, im Winter brauchen die Babys häufig nicht extra warm verpackt werden

Nachteile des Tragetuchs:

  • Anlegen ist komplizierter und zeitaufwändiger
  • Um das korrekte Binden des Tragetuchs zu lernen, wird ein Kurs oder die Anleitung einer erfahrenen Hebamme oder Trageberaterin empfohlen
  • Manche Eltern haben Angst, dass sich das Tragetuch lösen könnte, dies ist aber bei korrekter Bindeweise nicht möglich
  • Das Tragetuch muss immer sorgfältig gebunden werden, damit das Baby nicht rausrutscht
  • Im Sommer kann es mit Baby und Tragetuch sehr warm werden
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Sowohl Komforttragen als auch Tragetücher haben somit ihre Vor- und Nachteile und können natürlich auch miteinander kombiniert werden. Nicht wenige Mütter tragen ihren Nachwuchs zuerst im Tragetuch und steigen dann, wenn das Kind älter ist und schon selbst sitzen kann, auf eine Komforttrage um.

Am besten ist es, sowohl Komforttragen als auch Tragetücher einmal auszuprobieren und sich dann für die Tragehilfe zu entscheiden, mit der Eltern und Kind am besten zurechtkommen. Eine gute Möglichkeit ist es auch, sich von einer Trageberaterin, seiner Hebamme oder dem Kinderarzt beraten zu lassen. Oft gibt es in Geburtshäusern oder Trageschulen Kurse oder Informationsabende, die man besuchen kann. So findet sicher jeder eine passende Tragehilfe!

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Wenn die Entscheidung auf eine Babytrage gefallen ist, gibt es einige wichtige Punkte zu bedenken. Bei der Frage, was eine „gute“ Babytrage ausmacht, sind sich viele junge Eltern unsicher. Wichtig bei einer Babytrage oder Komforttrage sind die Sicherheit, der Komfort des Kindes und der Komfort des Tragenden.
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Eine sichere Komforttrage besitzt einfach und fest verschließbare Verschlüsse sowie reißfeste und stabile Träger. Sie lässt sich einfach und sicher an- und ablegen. Das Material selbst ist frei von Schadstoffen, robust und reißfest.

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Für den Komfort des Babys ist es besonders wichtig, eine bequeme und anatomisch richtige Haltung einnehmen zu können. Säuglinge nehmen, wenn sie hochgenommen oder getragen werden, automatisch die sogenannte Spreiz-Anhock-Haltung ein. Dabei sind die Beinchen weit gespreizt und stark angewinkelt, der Rücken ist rund. Eine Babytrage sollte diese Haltung unterstützen und den Körper des Babys nicht überstrecken. Problematisch ist es, wenn die Beinöffnungen nicht zur Seite, sondern nach unten zeigen. Dadurch „hängt“ das Baby in der Babytrage, die Wirbelsäule wird überstreckt.

Wichtig ist auch ein breiter Steg, damit die Spreizung der Beine unterstützt und kein starker Druck auf den Steiß oder die Hoden des Babys ausgeübt wird. Zudem sollte das Köpfchen des Babys gut gestützt sein und keine Möglichkeit haben, wegzuknicken. Um eine gute Stützung zu erreichen, ist es wichtig, dass das Rückenteil eng anliegt und die Trage je nach Größe des Babys in Höhe und Breite verstellt werden kann. Zu guter Letzt sollte die Trage aus einem Stoff gefertigt sein, der nicht einschneidet und atmungsaktiv ist.
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Für den Tragenden ist Komfort ebenfalls wichtig, um Rückenproblemen vorzubeugen. Die Babytrage sollte verstell- und anpassbare, breite und gepolsterte Träger besitzen. Das Gewicht des Babys sollte gleichmäßig verteilt werden. Auch für den Träger zahlt sich ein robustes, atmungsaktives Material aus, das sich zudem leicht reinigen lässt. Die Babytrage sollte sich leicht an- und ablegen lassen und beim Tragen nicht einschneiden oder drücken.

Am besten, Du probierst die Babytrage Deiner Wahl auch mit deinem Kind noch mal aus, dann steht dem gemeinsamen Spaß am Tragen nichts mehr im Wege!

Wichtig:

Das Tragen mit dem Blick nach vorne stellt für jüngere Kinder nicht nur eine Reizüberflutung dar, sondern lässt sie auch eine anatomisch ungünstige Haltung einnehmen. Babys sollten somit immer mit dem Gesicht zum Elternteil hin getragen werden.
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Nochmal alle Infos auf einen Blick:

Rückenteil der Babytrage
  • Liegt das Rückenteil eng an?
  • Wird das Baby ausreichend gestützt (es darf nicht seitlich oder nach hinten wegrutschen!)?
  • Ist die Babytrage in der Weite mehrfach stufenlos verstellbar?
  • Besteht in die Höhe noch ausreichend Platz zum Wachsen?
  • Ist der Kopf des Babys gut gestützt und hat keine Möglichkeit, wegzuknicken?
Beinöffnungen und Beinsteg der Babytrage
  • Ist der Steg breit genug?
  • Ist er nicht zu weich?
  • Zeigen die Beinöffnungen zur Seite und auf keinen Fall nach unten?
Material der Babytrage
  • Ist das Material der Babytrage angenehm?
  • Schneidet das Material nirgendwo ein?
  • Ist das Material frei von Schadstoffen?
  • Ist das Material robust und reißfest?
  • Lässt sich das Material leicht reinigen?
Komfort der Babytrage
  • Lässt sich die Babytrage bequem und ohne Rückenschmerzen tragen?
  • Sind die Gurte verstellbar, gepolstert und verteilen das Gewicht des Babys gleichmäßig?
  • Kann die Babytrage leicht und sicher an- und wieder abgelegt werden?

 

MOBY WRAP elastisches Baby-Tragetuch

Wenn die Entscheidung auf ein Tragetuch gefallen ist, gibt es einige wichtige Punkte zu bedenken. Bei der Frage, was ein „gutes“  Tragetuch ausmacht, sind sich viele junge Eltern unsicher. Besonders wichtig bei einem Tragetuch sind Länge/Größe und Material.

Die Länge eines Tragetuchs variiert von ca. 2,5 m bis über 5 m. Die Standardlänge für Tragetücher beträgt dabei 4,70 m. Diese Größe ermöglicht alle gängigen Tragevarianten bei Personen bis Konfektionsgröße 42 (Frauen) beziehungsweise 48/50 (Männer).  Ein langes Tuch (über 5m) eignet sich ebenfalls für die meisten Bindetechniken und kann auch von großen Personen problemlos genutzt werden. Für Tragetechniken über der Hüfte kann so ein Tragetuch jedoch schnell zu lang werden und eine unnötige Belastung und Stolperfalle darstellen. Für einen einfachen Hüftsitz kann ein Tragetuch von 2,5 m Länge bereits ausreichen, ein kurzes Tragetuch empfiehlt sich aufgrund des beschränkten Anwendungsbereichs allerdings eher als Zweittuch.

Tragetücher gibt es in unterschiedlichen Farben und Materialvarianten. Wichtig sind die diagonale Dehnbarkeit, doppelt umgenähte Kanten und Schadstofffreiheit. Viele Modelle besitzen praktische Markierungen in der Mitte oder verschiedenfarbige Kanten, um das Binden zu erleichtern. Ein Tragetuch sollte in der Kreuzkörper-, Atlas- oder Jacquard-Technik gewebt sein. Diese Webarten garantieren eine hohe Festigkeit, einen guten Griff und eine gute Elastizität, so leiert es nicht aus und behält seine Form.

Jacquard-Tücher sind besonders elastisch, aber auch teurer. Für Neugeborene sind elastische Tragetücher sehr zu empfehlen, da sie sich besonders gut an den Körper anschmiegen. Für ältere Kinder sind stabilere Tragetücher jedoch besser geeignet, da sie auch höherer Belastung standhalten. Für wärmere Zeiten ist es gut, wenn das Tragetuch atmungsaktiv ist, damit Du und Dein Baby nicht so sehr ins Schwitzen kommt.

Zu guter Letzt sollte Dir das Tragetuch auch optisch gefallen und zu Deiner Kleidung und Deinem Stil passen. Du wirst das Tragetuch schließlich sehr oft am Körper tragen und mehr Spaß am Tragen haben, wenn Du Dich auch optisch damit wohlfühlst!

Ideal für die Auswahl eines Tragetuchs ist jedoch der Besuch bei einer Trageberatung oder das Ausprobieren bei Freunden. Je nachdem, welche Techniken Du binden möchtest, empfehlen sich unterschiedliche Tragetücher. Auch das Binden eines Tragetuchs erfordert etwas Übung, damit das Baby eine korrekte Haltung einnimmt und das Gewicht des Babys richtig und rückenschonend verteilt wird. Zu Beginn wird meist die sogenannte Kreuzwickeltrage empfohlen. Oft wird beim Kauf eines Tragetuchs schon eine Anleitung mitgeliefert. Natürlich kannst Du Dir auch ein Buch zu verschiedenen Tragetechniken kaufen. Am besten ist es jedoch, dir die Benutzung des Tragetuchs von einer Hebamme oder Trageberaterin zeigen zu lassen, damit dem langfristigen Spaß am Tragen nichts im Wege steht!

Nochmal alle Infos auf einen Blick:

Stoff des Tragetuchs
  • Ist er frei von Schadstoffen?
  • Ist er waschbar?
  • Ist der Stoff reißfest?
  • Ist der Stoff luftdurchlässig?
  • Ist der Stoff nicht zu schwer?
  • Ist der Stoff diagonal dehnbar?
  • Sind die Kanten gut (am besten doppelt) vernäht?
  • Besitzt das Tragetuch Bindehilfen wie Mittenmarkierungen oder verschiedenfarbige Kanten?
Größe des Tragetuchs
  • Welche Trageweisen willst Du damit binden?
  • Wie groß bist Du und Dein Partner?
  • Wie lange möchtest Du das Tragetuch nutzen?

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Und welche Tragehilfe empfiehlt nun miBaby?

Unter den Tragetüchern liegen die Tücher der Marke Didymos in punkto Qualität, Vielfalt und Handhabung klar in Führung. Diese Tragetücher sind mit Preisen von etwa 70-120,- € zwar nicht ganz billig, dafür aber sehr haltbar, sicher und komfortabel. Wer Gefallen am Tragen gefunden hat ist mit diesem Tragetuch gut beraten. Einen günstigeren Einstieg ins Tragen bietet das besonders elastische Tragetuch Wrap der Marke Moby, das schon ab etwa 50,- € zu haben ist.
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Unter den vielen Komforttragen ist die Manduca Babytrage mit ihrem klassischen Design und der guten Handhabung die Babytrage für Eltern, die eine Babytrage einem Tragetuch vorziehen, dabei jedoch auf eine möglichst gute Ergonomie achten möchten. Zudem schwören viele Hebammen auf die die Manduca Babytrage. Beispielsweise sagt Gerlinde Kettenring, seit 33 Jahren Hebamme, „Die Manduca ist eine absolut stabile, sichere und Geborgenheit vermittelnde Babytrage, außerdem fühlt sie sich am Körper getragen sehr bequem und angenehm an – absolut empfehlenswert!“. Mit dem passenden Einsatz für Säuglinge, kann diese Trage bereits ab Geburt genutzt werden.

Wichtig ist bei allen Tragehilfen jedoch, sie selbst auszuprobieren. Jede Familie besitzt andere Anforderungen und Vorlieben. Wer sein Kind nur selten tragen möchte, benötigt vielleicht ein anderes Modell als jemand, der die Babytrage als vollwertigen Ersatz für den Kinderwagen verwendet und sie auch im Haus nicht ablegen möchte.  Es empfiehlt sich somit, die Tragehilfen ausgiebig zu testen und sich von einem Arzt, einer Hebamme oder einer Trageberaterin beraten zu lassen. Oft werden auch Kurse angeboten, deren Dauer zwischen zwei Stunden und einem Tag liegt. Die Kosten belaufen sich auf etwa 15 bis 50 Euro. Dann steht dem ungetrübten Tragespaß wirklich nichts mehr im Wege!