Tragen Ratgeber – „Nimm mich auf den Arm!“

Julia Eickhoff

„Leg Dein Baby doch mal hin, durch das viele Tragen verwöhnst Du es nur und schadest seinem Rücken!“ Kommt Dir das bekannt vor? Dann bist Du in diesem Ratgeber genau richtig! Wir sagen Dir, warum es gut und wichtig ist, Dein Baby zu tragen, tragen und nochmal zu tragen.

 

    Wo hat das Tragen seinen Ursprung?

Dein Baby will getragen werden, und das lässt sich auch ganz einfach wissenschaftlich belegen. Kurz nach der Geburt haben Babys noch nicht den gleichen Entwicklungsstand wie andere Säugetiere: Sie können nicht laufen, um sich 1. vor Feinden zu schützen und 2., um von alleine an die lebensnotwendige Muttermilch zu gelangen.

Auch an einigen körperlichen Merkmalen lässt sich erkennen, dass Dein Kleines ein Tragling ist:

  • Dein Baby nimmt automatisch die Spreiz-Anhock-Position ein, sobald Du es seitlich auf die Hüfte setzt
  • Dein Baby hat einen ausgeprägten Greifreflex
  • Sobald Du Dich als Mama entfernst, fängt Dein Baby oftmals an zu weinen

Kinder wurden seit Millionen von Jahren getragen, bis Königin Viktoria im 18. Jahrhundert den Kinderwagen für eine „kluge Idee“ hielt.

Baby auf dem Arm

 

Warum soll ich mein Baby tragen?

Dein Baby zu Tragen bietet jede Menge Vorteile für Euch beide. So könnt Ihr zum Beispiel die Nähe zueinander genießen, und Dein Liebling kann Dich riechen, fühlen und schmecken. Es spürt, dass Du da bist und kann somit gleichzeitig seine Sinne schärfen und fördern. Gegner des Tragens sind der Meinung, dass es schädlich für Mamas und Papas sei, das Baby soviel herumzutragen. Rücken und Arme seien stark belastet. Kein Problem, leg Dir eine passende Tragehilfe zu, und schon hast Du das Argument entkräftet.

Eine gute Tragehilfe kann einer Hüftdysplasie (Hüftfehlstellung) vorbeugen oder sogar dabei unterstützen, diese zu therapieren. Der Oberschenkelkopf fügt sich durch die korrekte Spreiz-Anhock-Position ideal in die Hüftgelenkpfanne ein. Lies doch mal dazu „Ein Baby will getragen sein: Alles über geeignete Tragehilfen und die Vorteile des Tragens“ von Evelin Kirkilionis – erhältlich ab ca. 17,00 €.

PUGHO
PUGHO Elastisches Baby-Tragetuch mit Taschen

Dr. Urs A. Hunziker (Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in der Schweiz) führte Studien zum Schreiverhalten bei Babys in Verbindung mit dem Getragen werden durch.

Bei Kindern, die viel getragen wurden, verkürzte sich die Schreidauer, die Kinder schrien auch gegen Abend bedeutend weniger und waren generell im Wachzustand zufriedener.

Und wer möchte kein zufriedenes, glückliches Baby?

 

Auch der Gleichgewichtssinn Deines Babys wird durch die Bewegung, die Du während des Tragens beim Laufen verursachst, geschult. Toll ist ebenfalls, dass Du in Kombination mit einer Tragehilfe weiterhin mobil bleibst und beispielsweise gleichzeitig Deinen Haushalt organisieren kannst!

Was spricht gegen das Tragen?


Nachteile wie schmerzende Arme oder ein verspannter Rücken konnten ja bereits durch die Möglichkeit einer Tragehilfe entkräftet werden.

Durch das straffe Eingewickeltsein ist die Sauerstoffzufuhr in einem Tragetuch oder einer Komforttrage geringer. Allerdings wird gerne verschwiegen, dass es sich lediglich um 1% weniger als im Kinderwagen handelt und somit nicht relevant ist.

Sicherlich hast Du auch schon einmal in diesem Zusammenhang gehört: „Du verwöhnst Dein Kind!“ Dein Kleines ist ein Tragling, das Tragen ist ein Urbedürfnis des Menschen! Keine Sorge, Du machst alles richtig, wenn Du auf Dein Bauchgefühl hörst und Dein Baby trägst, trägst und nochmal trägst…

Autumn

Einige Mediziner sind der Meinung, Babys könnten durch das Tragen Schäden an der Wirbelsäule sowie an der Hüfte erleiden. Dieser Aspekt ist sicherlich nicht ganz aus der Luft gegriffen. Du solltest bei der Wahl der Tragehilfe darauf achten, dass der Rücken Deines Babys ausreichend und „rund“ umschlossen wird und Dein Kind in der schon einmal erwähnten Spreiz-Anhock-Position sitzt. Außerdem muss das Köpfchen gerade in der ersten Zeit ausreichend gestützt werden.

Welche Tragehilfen gibt es?

Hoppediz gewebt
Hoppediz Gewebtes Tragetuch

Das Tragetuch ist die absolut beste Tragehilfe. Tragetücher gibt es elastisch oder gewebt. Die elastische Variante eignet sich für leichte Babys, gerade also zu Anfang. Das Binden ist einfacher aufgrund der Elastizität. Ein Tuch bietet durch die symmetrische Gewichtsverteilung auch für den Träger ein angenehmes Tragegefühl. Hoch im Kurs stehen zum Beispiel das Hoppediz Gewebte Tragetuch für 39,00 € oder das Didymos Babytragetuch „Wellen“ für knapp 100,00 €.



Eine Abwandlung des Tragetuchs ist das sogenannte Ring Sling Tragetuch. Hierbei handelt es sich um ein Tuch, das am Ende mit zwei großen Ringen versehen ist, die miteinander befestigt werden. Die Handhabung ist somit etwas einfacher als bei den ursprünglichen Tüchern, die Gewichtsverteilung ist allerdings nicht ganz gleichmäßig. Hier bietet sich das Dolcino Tragetuch RingSling an (50,85 €). Ein bisschen teurer, aber ebenfalls weiterzuempfehlen ist die Storchenwiege Ring Sling für 65,00 €.

 

Amazonas Tragehilfe Mei Tai
Amazonas Tragehilfe Mei Tai

Eine Mischung aus Tuch und Trage ist der Mei Tai. Diese Tragehilfe stammt aus Asien, kommt wie ein Tuch ohne Gurte und Schnallen aus, ist aber, wie eine Trage, schon weitestgehend „fertig“ und muss somit nicht komplett gewickelt werden. Die Amazonas Tragehilfe Mei Tai ist bereits ab 49,99 € erhältlich.



Komforttragen bieten sicherlich durch die Verschlussmöglichkeit mit Schnallen oder Klettverschluss die einfachste Handhabung. Allerdings ist der Steg oft ziemlich breit, sodass eine optimale Haltung Deines Babys nicht gewährleistet ist. Die Neugeboreneneinsätze sind meist nur in den ersten vier Lebenswochen Deines Kindes gut nutzbar, danach beginnt erst einmal eine Art Überbrückungszeit bis ca. zum fünften, sechsten Monat; ab dann ist unserer Meinung nach sowieso erst eine Babytrage angebracht. Die Manduca Babytrage eignet sich hier hervorragend, ist mit seinen knapp 100,00 € allerdings nicht ganz billig.

Kann ich mein Kind auch vorwärts gerichtet tragen?

Auf keinen Fall sollte Dein Baby längere Zeit vorwärts gerichtet getragen werden! Dadurch wird die Hohlkreuzbildung gefördert und es können Hüftschäden entstehen (Beinchen hängen herunter). Bei Jungen werden in dieser Position eventuell die Hoden abgeklemmt. Auch der Kopf wird so nicht optimal gestützt. Dein Baby kann Dich, wenn es nach vorne schaut, auch nicht mehr ansehen, braucht Dich aber als Fixpunkt. Sonst ist es mit all den Reizen, die unsere Welt ihm aufzeigt, völlig überfordert.

Welche Tragehilfe ist die Beste?

Wir empfehlen Dir daher als optimale Tragehilfe das Tragetuch! Das passt sich am besten dem runden Rücken Deines Babys an und wächst Stück für Stück mit. Eine Babytrage ist ab einem gewissen Alter eine sinnvolle Ergänzung zum Tuch, wird es aber niemals ersetzen können! Es gibt sicherlich tolle Trageberaterinnen in Deiner Nähe, die Dich bei der richtigen Wahl unterstützen können.

Also: Geh mit Deinem Baby auf Tuchfühlung! 🙂

Lies doch auch mal: Tragen, klar. Doch womit? Die schwierige Wahl der richtigen Tragehilfe
oder: Ins Leben tragen – Ratgeber unserer Hebamme Gerlinde.