Unsere Tragetuch-Beratung: Darauf musst Du beim Kauf achten

Anne Purschwitz

Das Baby im Tuch zu tragen, ist die älteste und bekannteste Form des Baby-Transports. Die Auswahl an Tüchern ist genauso groß wie deren Bindevarianten. Um den Knoten zu entwirren, stellen wir Dir Kriterien vor, die den Kauf des passenden Tragetuchs erleichtern.

Tragetücher sind praktisch und vielfältig. Du kannst Dein Baby von Geburt an vor dem Bauch, in Wiegehaltung, auf dem Rücken oder auf der Hüfte transportieren. Auch andere Tragehelfer als Tücher gibt es inzwischen. Darüber informiert der miBaby-Magazinbeitrag Carry on – Beliebte Tragehilfen zum Baby tragen.
Mit welchem Tuch geht das Tragen am besten? Wie lang muss das Tuch sein? Wie kann ich beim Tragen meinen Rücken schonen? – Diese Fragen solltest Du Dir vor der Anschaffung stellen. Wir liefern Dir mit unserem Beitrag eine Tragetuch-Beratung und geben Dir Kriterien an die Hand, nach denen Du das optimale Tragetuch auswählen kannst.

Was ist überhaupt ein Tragetuch?

Das Tragetuch für Babys ist eine Hilfe aus Stoff, mit der Du Dein Baby eng am Körper trägst. Das Tuch kann aus fest gewebtem oder elastischem Material bestehen. Es wird um Träger und Kind gewickelt und ist dabei im Durchschnitt etwa 5 m lang. Elastische Tragetücher aus Baumwolljersey werden gern bei Neugeborenen verwendet, da sich das Material besonders eng ans Baby schmiegt.  Allerdings lassen diese dünneren Tragetücher weniger Bindevarianten zu. Man unterscheidet zwischen Kanguru- und Rucksack-Bindevarianten. Die elastischen Tücher sind zudem für ältere und damit schwerere Kinder ungeeignet. Fest gewebte Tücher dagegen unterscheiden sich nochmals in ihrer Webtechnik. Diese hat auch Einfluss auf Muster, Farbe und Preis des Stoffes, der Dir beim Tragen helfen soll. Die Länge des Tuches richtet sich unter anderem nach Deiner bevorzugten Bindeweise, Deiner Lieblingstrageposition und Deiner Körpergröße.

RingSling oder Tragetuch – Welche Varianten gibt es?

Neben dem klassischen Tragetuch, das sich mittels Knoten befestigen lässt, erobern auch die RingSlings den Markt. Ein Beispiel ist das Tragetuch „RingSling“ von Dolcino. Es erscheint wie ein Tuch, das ein bisschen “vorgebunden” ist, da es mit einem Ring ausgestattet ist, der den Tuchstoff in die richtigen Bahnen lenkt. Dies erleichtert die Handhabung, schränkt Dich aber in der Wahl der Tragepositionen ein. Mit ihnen ist die Wiegeposition, genau wie die Anhock-Spreiz-Haltung, möglich. RingSlings bieten sich an, wenn Du Dein Kind nur ab und zu tragen möchtest und beim Binden nicht sehr geübt bist. Sie belasten den Rücken meist einseitig. Mit ihnen solltest Du Dein Baby nicht allzu lange transportieren.

Auf die Tuchlänge kommt’s an

Bild zur IllustrationBei der Länge des Tuches gibt es einiges zu beachten: Wie groß bist Du, wie groß ist der Zweitträger, welche Bindevarianten bevorzugen Du und Dein Kind? Bei den Bindeweisen unterscheidet man die Känguru-Bindeweisen, mit denen Dein Kind vor dem Bauch, auf dem Rücken oder auf der Hüfte getragen wird und die Kreuzbindeweise, mit der das Baby wie in einem Rucksack entweder vorn oder hinten getragen wird.  Ist das Tuch zu kurz, könnt Ihr kaum verschiedene Varianten ausprobieren. Ist das Tuch zu lang, nerven die langen Stoffbahnen. Tragetücher sind in Längen zwischen 2,5 m und 5 m erhältlich. Allgemein wird eine Länge zwischen 4,70 m und 5,10 m empfohlen. Sie lässt alle Tragevarianten bei Frauen mit einer Konfektionsgröße bis 42 und bei Männern bis Größe 48/50 zu.

Das Material: Fest gewebt oder elastisch?

Du hast die Wahl zwischen fest gewebten oder elastischen Tüchern. Das elastische Material hält Dein Baby eng am Körper, ist aber nur bis maximal 8-9 kg als Trage geeignet. Die Tücher aus gewebtem Material kannst Du nutzen, bis Dein Nachwuchs 18 kg wiegt. Gerade bei Neugeborenen haben sich die flexiblen Tücher durch ihre Anschmiegsamkeit bewährt, außerdem staut sich darin im Sommer nicht die Hitze. Ein bei miBaby-Mamis beliebtes Tragetuch aus elastischem Material ist zum Beispiel das Tragetuch von Ergobaby.

 

Die fest gewebten Tücher sind durch ihre Stabilität für ältere Kinder besser geeignet. Unsere Tragetuch-Beratung empfiehlt, in der ersten Zeit ein elastisches Tragetuch zu nutzen. Wenn sich das Tragetuch bei Euch bewährt hat, lohnt die Anschaffung eines Tuches aus fest gewebtem Material. Die Tuchträgerinnen unter den miBaby-Mamis schätzen zum Beispiel das Tragetuch „Moby Wrap Classic“ von Wickelkinder und das Tragetuch Hoppediz Luzern aus fest gewebtem Material.

Viele Modelle besitzen praktische Markierungen in der Mitte oder verschiedenfarbige Kanten, um das Binden zu erleichtern. Noch ein Tipp zum Material: Ein Tragetuch sollte in der Kreuzkörper-, Atlas- oder Jacquard-Technik gewebt sein. Formstabilität des Tuches, hohe Festigkeit, sicherer Griff und optimale Elastizität werden so garantiert. Aufgepasst: Jacquard-Tücher sind besonders elastisch, aber auch teurer.

Das Tragetuch und seine Webarten

Das klassische Tragetuch, das in vielen Farben und auch Mustern (abhängig von der Webtechnik) erhältlich ist, besteht normalerweise zu 100 Prozent aus Baumwolle. Die Webtechniken, die beim Fertigen des Tuches verwandt wurden, unterscheiden sich ebenfalls. „Kreuzköper“,„Jacquardwebung“ und „Diamantköperwebung“ sind die drei Techniken, die am häufigsten bei der Herstellung von Tragetüchern zum Einsatz kommen. Alle ergeben letztlich ein Tuch, das diagonalelastisch ist. Allerdings hat die Webart auch Einfluss auf den Preis.

Die „Jacquardwebung“ wird beispielsweise in der Tragetuch-Beratung empfohlen. Mit ihr entsteht ein Stoff, der noch elastischer ist als bei der Diamantkörper-Webweise. Die Verkreuzung der Fäden erfolgt hier auf beiden Seiten. Sie ist vom Muster abhängig. Das Besondere an der Jacquard-Webweise ist die Garnfarbe, die auf Vorder- und Rückseite jeweils anders erscheint. Das ermöglicht vielfältige Muster des Tragetuchs. Ein Beispiel für ein Tuch in der Jacquardwebung ist das Tragetuch Didymos Wellen.

Die „Diamantwebung“ dagegen ergibt nur ein einfarbiges Tuch, wie das Tragetuch Leo Marine von Storchenwiege zeigt. Bei der dritten Technik, der „Kreuzkörper-Webtechnik“ kreuzen sich die Oberfäden abwechselnd auf der Ober- und der Unterseite. Das ergibt identische Farben und Muster auf Ober- und Unterseite des Materials. Meist werden die Tücher einfarbig oder mit Streifen angeboten, wie beim Tragetuch Hoppediz Luzern gut zu erkennen ist. Mit welcher Webtechnik das Tuch hergestellt wurde, für das Du Dich interessierst, erfährst du meist aus der Produktbeschreibung.

 

Tragetuchkauf – der schnelle Check vor der Kaufentscheidung

Beratung und Test
  • Weiterführende miBaby-Artikel (siehe unten)
  • Kenne ich jemanden mit Tragetuch?
  • Kann ich das Tuch im Laden schon mit Baby testen?
  • Was rät meine Hebamme?
  • Was empfiehlt der Kinderarzt?
RingSling oder Tragetuch?
  • Möchte ich mir das aufwendige Knoten sparen und lieber gleich in etwas “Vorinstalliertes“ schlüpfen?
  • Bin ich bei den Tragepositionen anspruchslos?
  • Möchte ich mein Baby nur für kurze Zeit tragen?

Wenn Du diese Fragen mit “Ja” beantworten kannst, dann scheint der RingSling besser für Dich geeignet zu sein.

  • Trage ich mein Kind oft und gerne am Körper?
  • Die verschiedenen Bindevarianten jagen mir keine Angst ein, im Gegenteil, ich mag es abwechslungsreich!
  • Möchte ich mein Kind gern in verschiedenen Tragepositionen transportieren?

Treffen diese Kriterien auf Dich zu, solltest Du auf ein Tragetuch zurückgreifen.

Die Tuchlänge
  • Wie groß bin ich?
  • Welche Bindevarianten bevorzuge ich?
  • Welche Tragepositionen möchte ich meinem Baby anbieten?
  • Wie groß ist der Zweitträger?
Das Material
  • Schadstofffrei?
  • Waschbar?
  • Reißfest?
  • Luftdurchlässig?
  • Nicht zu schwer?
  • Stoff diagonal dehnbar?
  • Kanten gut (am besten doppelt) vernäht?
  • Bindehilfen wie Mittenmarkierungen oder verschiedenfarbige Kanten vorhanden?

Zusammenfassung

Das Tragetuch ist ein Allrounder. Mit ihm sind verschiedene Tragepositionen, wie vor dem Bauch, auf dem Rücken oder auf der Hüfte möglich. Hierfür kannst Du zwischen zwei Bindevarianten wählen: der Kanguru- oder der Rucksack-Bindung. Beides musst Du ausprobieren. Teste dafür am besten Tücher im Laden oder Besuche eine Trageberatung. Hier kann man Dir sicher auch mitteilen, welche Länge des Tuches für Deine Körpergröße am besten geeignet ist. Auch Ärzte oder Hebammen helfen dir weiter.

Du musst Dich bei der Wahl des Materials zwischen elastischem und fest gewebtem Tuch entscheiden. Das fest gewebte, welches auch nach drei Monaten bei Deinem Kind noch zum Einsatz kommen kann, unterscheidet nochmals drei Webvarianten, die Einfluss auf Elastizität des Tuches, Farbe und Muster und letztlich auch den Preis haben. Hier kommt es in erster Linie auf Deinen Geschmack an und darauf, was Du für das Tuch ausgeben möchtest. Wichtig ist, dass Du bei der Wahl Deines Tragetuches darauf achtest, dass das Material schadstoff-frei ist.

Weiterführende Tragetuch-Beratung auf miBaby

miBaby hat noch weitere Artikel für Dich zum Thema Tragen auf Lager. Tragetuch und Babytrage – Ganz nah bei Mama oder Papa liefert eine gute Übersicht mit allem Wissenswerten rund um’s Tragen. Detaillierter über das Tragetuch informierst Du dich im Artikel Ein Tragetuch für Babys – das sind die Vor- und Nachteile.