Vegane Ernährung für Kinder – ist das gefährlich?

Marlen Greb

Viele Menschen ernähren sich mittlerweile vegan. Und so wachsen auch Babys und Kleinkinder vegan auf. Ist das unbedenklich oder gibt es Gefahren? Wir haben uns mal für Dich schlau gemacht.

Wohl kaum ein Thema wird aktuell so heiß diskutiert wie die „vegane Lebensweise“. Schaut man allein in seinen Social Media-Kanälen, so kann man sich vor lauter sarkastischen Kommentaren und kontroversen Diskussionen kaum retten.Doch was ist nun, wenn man sich vegan ernährt und auch dafür entscheidet, sein Kind direkt vegan zu erziehen? „Fehlen“ dem Kind da nicht wichtige Nährstoffe?

Vegan – kritisch betrachtet

Es ist selbstverständlich sehr, sehr wichtig, seinem Kleinkind alle nötigen Nährstoffe zuzuführen. So warnen Ernährungswissenschaftler und Ärzte regelmäßig vor ausschließlich veganer Ernährung im Kindesalter. Ein Mangel vor allem an Vitamin B12 könne entstehen. Diese Ansicht wiederum wird von den Veganer scharf kritisiert – sie sei komplett veraltet. Denn wenn man sich ausgewogen vegan ernährt, so bekäme man durchaus alle notwendigen Nährstoffe.

Vegan – aber richtig

Für ein Baby ist die vegane Ernährung ohnehin kein Thema. Denn im Bestfall kann das Baby die ersten Monate voll gestillt werden und bekommt somit alle wichtigen Nährstoffe, die es benötigt, über die Muttermilch.

Und danach? Zunächst wird Brei oder feste Nahrung ja ohnehin standardmäßig fleischlos eingeführt. Fleisch kommt ja immer erst später hinzu. Doch vegan heißt ja nun eben „tierlos“ bleiben. Worauf ist dabei zu achten?

Ballaststoffe

„Gute“ Ballaststoffe zieht der Veganer vor allem aus Wildreis, Vollkornbrot und -nudeln sowie Haferflocken und Mais. Auch die hierzulande noch eher selten verwendeten Getreidearten Gerste, Quinoa, Hirse usw. eignen sich hervorragend.

Proteine und Fette

Es stimmt keinesfalls, dass Proteine nur ausreichend über Fleisch zu beziehen sind. Vor allem Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst oder Getreide sind zum Teil sehr gute Proteinlieferanten. „Gute“ Fette finden sich zum Beispiel auch in der Avocado.

Kalzium

„Deinem Kind wird ohne Milch das Kalzium fehlen“. Auch ein Spruch, den Veganer oft hören. Aber so ist es nicht. Denn zum einen ist Kuhmilch ohnehin eigentlich nicht für die Bedürfnisse von Babys und Kleinkindern geeignet und zum anderen steckt Kalzium keineswegs nur in Milchprodukten. Hervorragende Kalziumquellen sind z.B. nämlich Bohnen, Trockenfeigen, Süßkartoffeln und allgemein grünes Gemüse (besonders in Spinat, Brokkoli und Mangold). Außerdem liefern angereicherte Soja- und Reisdrinks sowie angereicherte Säfte oder auch schlichtweg Mineralwasser jede Menge Kalzium.

Also ist vegane Ernährung beim Kleinkind nicht gefährlich? 

Solange man es richtig macht, dann nein. Denn vegan ist nicht gleich vegan – es gibt verschiedene Formen. So kann sich der Veganer trotzdem ungesund ernähren – mit viel Pommes und veganen Süßigkeiten hat das sicher nichts mit gesunder Ernährung zu tun.

Ernährt man sich selbst und sein Kleinkind jedoch ausgewogen und gut, achtet dabei auf die ausreichende Zufuhr der oben genannten Inhaltsstoffe, so ist vegan sicher nicht besser oder schlechter.

Vegan im gesellschaftlichen Alltag – schwierig?

In der eigenen Familie nicht, gerade wenn Mami und/oder Papi selbst Veganer sind. Die Eltern kochen – das Kind isst. Fertig. Doch in vielen anderen gesellschaftlichen Situationen schaut es schon wieder anders aus. Was ist beim Essen von Verwandten oder Freunden, die sich nicht vegan ernähren? Was ist im Kindergarten oder auf Kindergeburtstagen? Grenzt man sein Kind damit nicht unnötig aus?

Diese Frage kann jede Familie nur für sich selbst beantworten. Aber sicher gibt es diejenigen, die das verurteilen und andere, die das gutheißen.

Viele Familien sind ja komplett konsequent – geben ihren Kindern eigenes Essen für Kindergeburtstage und andere Aktivitäten mit. Wieder Andere sind der Meinung, das Kind solle selbst entscheiden und lassen es „auswärts“ essen, was es möchte.

Ich persönlich – selbst Vegetarierin – finde die zweite Lösung deutlich besser. Denn mir ist sehr wichtig, dass meine Tochter eigenständig entscheidet, ob sie vegetarisch/vegan oder mit Fleisch leben möchte.