„Warum schläft es nicht?“ Das große Experteninterview Babyschlaf

Marlen Greb

Jede an Schlafmangel leidende Mama wünscht sich nur eines: Dass ihr Baby bitte endlich durchschläft. Doch was heißt “Durchschlafen” genau? Und wann spricht man von einer Schlafstörung? Wir sind diesen Themen in unserem Experteninterview Babyschlaf auf den Grund gegangen.

 

Durchschlafen lernen…

Wer kennt ihn nicht, den Traum jeder Mutter: Nach einigen Monaten Schlafentzug bist Du mit Sicherheit an dem Punkt angekommen, an dem Du Dich fragst, ob Dein Baby und damit auch Du wohl jemals (wieder) durchschlafen werden. Vielleicht kannst Du Dich auch schon gar nicht mehr daran erinnern, wie „eine Nacht am Stück schlafen“ überhaupt so war.

Und Du machst Dir Sorgen – handelt es sich beim Schlafverhalten Deines Schatzes um „normales“ Babyverhalten oder steckt vielleicht sogar eine Schlafstörung dahinter?

miBaby hat sich für Dich auf die Suche nach Experten zu diesem Thema gemacht, und versucht Dir im großen Experteninterview Babyschlaf Antworten auf Deine brennendsten Fragen zu liefern:

Prof. Dr. med. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité-Universitätsmedizin und Prof. Dr. med. habil. Thomas Erler, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Carl-Thiem-Klinikums Cottbus standen uns Rede und Antwort:

Sleeping baby on back in sleeping bag

miBaby: Wie wichtig ist Schlaf für mein Baby?

Expertenantwort: Schlaf ist für das Baby immens wichtig. Ein guter Schlaf ist ebenso wichtig, wie eine gute Ernährung. Babys brauchen Schlaf für die geistige und körperliche Entwicklung und um sich vor Krankheiten zu schützen. Das Immunsystem eines „ausgeruhten“ Menschen ist weniger anfällig.

miBaby: Wird das Durchschlafen tatsächlich erlernt?

Expertenantwort: Ja. Babys lernen im Verlauf der ersten zwei Jahre Ihres Lebens, den Hauptschlaf in der Nacht zu haben und ein Nickerchen oder ein Mittagschlaf am Tag zu halten.

miBaby: Ab wann spricht man vom „Durchschlafen“?

Expertenantwort: Wenn die nächtliche Aufwachphasen nicht länger als 30 Minuten dauern.

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miBaby: In welchem Alter schlafen Babys/Kinder in der Regel durch?

Expertenantwort: Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, da einfach jedes Baby anders ist. Allgemein kann man sagen, dass Babys oftmals dann beginnen durchzuschlafen, wenn Sie nachts keine Milch mehr fordern.

miBaby: Wie kann ich meinem Baby beim „Durchschlafen lernen“ helfen?

Expertenantwort: Es empfiehlt sich, von Beginn an schöne Abendrituale einzuführen und auch beizubehalten. Dies gibt dem Baby Sicherheit. Ebenso sollte ein Baby niemals durstig/hungrig ins Bett gehen.

miBaby: Ist ein gestörter Schlaf „erworben/anerzogen“ oder kann er auch organische Ursachen haben? Wenn ja, welche?

Expertenantwort: Ein „gestörter Schlaf kann vielfältige Ursachen haben. Er kann erworben sein, sozusagen „in die Wiege gelegt“, aber auch organische Ursachen kommen in Frage (wie z. B. unregelmäßige Atmung, Bewegungsstörungen).

Schlaf

miBaby: Kann mein Baby schon „schlecht träumen“?

Expertenantwort: Erwachsene träumen erwiesenermaßen zu 70–80 % schlecht. Sicher ist, dass Babys auch schlecht träumen können. Da sie sich nach dem Schlaf jedoch nicht ausreichend mitteilen können, ist leider nicht bekannt, wie häufig sie dies tun.

miBaby: Welche Rolle spielen die Schlafumgebung und abendliche Rituale?

Expertenantwort: Eine sehr bedeutende Rolle. Eine angenehme Schlafumgebung und abendliche Rituale helfen dem Baby, „runterzukommen“, sich auf den Schlaf einzustellen und zur Ruhe zu finden.

miBaby: Wie kann ich meinem Baby helfen, gut in den Schlaf zu finden?

Expertenantwort: Eben durch abendliche Rituale, regelmäßige Bettzeiten, eine komfortable Schlafumgebung, ausreichend Bewegung am Tag und eine ausgewogene Ernährung.

miBaby: Kann auch Homöopathie helfen?

Expertenantwort: Ja, auch Homöopathie kann helfen. Diese sollte aber genauestens auf das Kind abgestimmt sein.

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miBaby: Was kann mir helfen, Ruhe und „Nerven“ zu behalten, auch wenn mein Baby gerade eine schwierige Schlafphase hat?

Expertenantwort: Das Wissen, dass wir selbst, als wir Babys waren, Phasen schlechten Schlafes hatten. Schlafstörungen im Baby- und frühen Kindesalter sind meistens reversibel.
Wenn möglich, sollten sich gestresste Mamas und Papas auch Auszeiten gönnen, z. B. ab und zu auch mal „ausschlafen“ dürfen am Wochenende.

miBaby: Ab wann pendelt sich das Schlafverhalten des Babys in etwa ein?

Expertenantwort: Nach ca. 12 Monaten.