Weihnachten kommt plötzlich! Redakteurin Natalie berichtet

Vanessa Glunz

Unsere Redakteurin Natalie berichtet von ihrem ersten Weihnachten mit Tochter Lucy. Das erste Weihnachten mit Kind war gelinde gesagt eine Katastrophe biblischen Ausmaßes, wenn das mal nicht zu diesem Fest passte.

Unser erstes Weihnachten mit Kind war gelinde gesagt eine Katastrophe biblischen Ausmaßes, wenn das mal nicht zu diesem Fest passte …

Wir kaufen einen Baum

Es begann mit dem hehren Ziel, den Tannenbaum viel früher als sonst zu kaufen und zwar als Familie. Gesagt, getan! Oder eben nicht.

Immer wenn wir Zeit hatten, um einen Baum zu kaufen, war entweder Essens- oder Schlafenszeit. So gingen die Tage dahin und endlich am 23.12. war es dann so weit, die Sterne standen günstig und die Mission Baumkauf konnte beginnen.

Anhand des Datums kann sich jeder vorstellen, dass es richtiger hätte heißen müssen: Reste-Baumkauf oder „Die Letzten werden auch wirklich die Letzten sein!“. Wir trafen also unter den wenigen verblieben Bäumen eine wohlüberlegte Auswahl.

Mein Mann, meine Tochter, der Baum alias Krüppelchen und ich machten uns auf den Weg zum Auto. Der Plan war so simpel wie einfach: Rückbank umklappen, Tannenbaum rein und fertig. Leider hatten wir aber die Rechnung ohne den Kindersitzgemacht. Da wir leider keine teilbare Rückbank hatten, stellte sich die Frage, wo sich der Kindersitz anlehnen soll, wenn wir das Nicht-Teilbare umklappen? Während wir uns fragend ansahen und einen neuen Plan ersannen, begann es natürlich zu schneien und die Stimmung näherte sich den frostigen Temperaturen fröhlich an. Kurz gesagt: Kindersitz ausbauen – auf den Beifahrersitz verfrachten – Kind rein – Rückbank umklappen – Tannenbaum rein – Mama nach hinten (ohne sich anzulehnen versteht sich) und dann los.

Spielzeug

Lernspaß- Hund

Zu Hause angekommen trug ich das mittlerweile schlafende Krümelchen ins Haus. Meine bessere Hälfte mühte sich derweil mit Krüppelchen ab. Wie jeder weiß, ist das Zuhören nicht des Mannes Stärke und so machte meiner aus: „Leg den Baum auf die Terrasse“ sogleich „Bring ihn ins Wohnzimmer“ und ignorierte die auf dem Boden liegenden Spielsachen, die Spieldecke und die Kuscheltiere unserer Tochter.

Aufgrund der mangelnden Sicht wurde Lucy’s Lieblings – Kuscheltier von einem matschigen Winterschuh in die nächste Ecke befördert und blieb dort in ein sattes Braun getaucht liegen. Ungebremst machte sich der Holde weiter auf den Weg zum Bestimmungsort des Bäumchens. Mir blieb nur die Wahl zwischen „einen Streit vom Zaun brechen“ oder „still bis zehn zählen und sich daran erinnern, dass Weihnachten das Fest der Liebe ist“. Als harmoniebewusster Mensch entschied ich mich selbstverständlich für die zweite Option.

Mein Vorsatz wurde jedoch stark strapaziert, da der Baumträger Krüppelchen in den Ständer verfrachtete und danach mit einem Messer und viel Schwung das Netz durchtrennte. Krüppelchen nutzte die Gelegenheit seine kleinen, aber feinen Äste ebenfalls schwungvoll von sich zu strecken. Sämtliches Schmutzwasser flog dann durchs Wohnzimmer und besprenkelte alles, rundherum.

Ich summte „Oh Du Fröhliche“, allerdings in einer möglichen Version von Rammstein!

Am nächsten Morgen…

Auch nach dem gestrigen Tag schreckte mich nicht, dass sich die Großeltern und meine Geschwister zum Essen eingeladen hatten. Alles nur eine Frage der Planung, so dachte ich.

Was gab es noch zu tun?

  • den Baum schmücken
  • das Essen vorbereiten
  • den Tisch decken
  • Geschenke einpacken
Stapelbecher

Playgro, Stapelbecher „Krokodil“

Ausstechform

Glückskäfer, Ausstechform

Delegieren ist ja das Zauberwort unserer Zeit, also lautete der erste Auftrag des Tages für meinen Mann den Tannenbaumschmuck aus den Untiefen des Kellers zu befreien. Stolz über meinen Führungsstil ging ich zurück in die Küche, wo Lucy sich gerade über ihre Stapelbecher hermachte. Kurz entschlossen backte ich noch ein paar Plätzchen und bekam nicht mit, dass meine Tochter sich auf den Weg ins Wohnzimmer gemacht hatte. Ins Bewußtsein drang mir diese Tatsache erst, als ich mehrfach ein undefiniertes Knacken mit anschließendem Klirren hörte.

Bastelbuch

Topp Verlag, Weihnachtlich geschmückt

Lucy hatte die uralten Christbaumkugeln von Tante Lydia gefunden. Der Herr der Schöpfung hatte also den Baumschmuck ausfindig gemacht, aber vergessen diesen in eine für Lucy unerreichbare Höhe zu stellen. So saß die kleine Maus nun in einem Meer von Scherben, hübsch dekoriert mit uraltem Lametta. Vorsichtig rettete ich sie aus diesem weihnachtlichen Mienenfeld und stellte erleichtert fest, dass kein Pflaster oder Schlimmeres von Nöten war. Wieso war ich eigentlich nicht vorher auf die Idee gekommen, kindgerechten Baumschmuck zu organisieren?

Nachdem mein Mann den noch vorhandenen und relativ ungefährlichen Schmuck an den Baum angebracht hatte, wurden Lucy und er erstmal ins Kinderzimmerverbannt, mit der Maßgabe ohne Gefahr für Leib & Leben zu spielen.

Chaotischer geht es nicht mehr – denkste!

Kochbuch

Zart und Saftig

Auf den Schreck nahm ich mir ein Glas Rotwein und begann den Braten für das Abendessen vorzubereiten. Hier kann einfach nichts schiefgehen, denn durch das niedrig Garen wird der Braten quasi im Schlaf gar und ich konnte mich um das Dessert kümmern. Ich weiß nicht, ob es der Rotwein war oder der Schreck darüber, dass Lucy sich schwer hätte verletzen können, aber die Sahne, die ich brauchte, schlug ich ingesamt fünfmal zu Butter. Somit musste ich tatsächlich noch in den Supermakt. Gefühlte drei Stunden später erreichte ich den sicheren Hafen meiner von  last- minute- Einkäufern befreiten Küche.

Geschirr

Enesco Ltd., Dear Zoo

Braten im Rohr, Dessert im Kühlschrank – nun konnte ich mich der Spülmaschine widmen, in der sich das neue Weihnachtsgeschirr auf seinem Jungfernspülgang befand. Da die Zeit nun langsam knapp wurde, wartete ich nicht ab, bis die Maschine abgekühlt war, sondern griff mir die viel zu heißen Teller, um sie Richtung Esstisch zu eskortieren. Was ich nicht wußte, war, dass Mann und Kind bereits den Rückweg ins Wohnzimmer angetreten hatten und Lucy sich plötzlich direkt vor meinen Füßen befand. Es geschah, was geschehen musste: Ich stolperte, ein Stapel von vier Tellern ergab sich ohne Gegenwehr der Erdanziehungskraft und zerschellte auf dem Boden. Prompt sass Lucy wieder zwischen Scherben. Warum hatte ich eigentlich nicht für alle Kindergeschirr aus Melamin gekauft?

Natürlich fing unser kleiner Sonnenschein vor Schreck bitterlich zu weinen an und als sie sich gar nicht mehr beruhigte, bekam ich durch einen zufälligen Blick auf die Uhr auch die passende Erklärung: Es wäre schon längst Zeit für ihren Mittagschlaf gewesen. Natürlich war sie jetzt über den Punkt, wo wir sie hätten hinlegen können, hinaus. Klar war uns aber auch, dass sie noch schlafen muss, um den heiligen Abend miterleben zu können. So wurde die bessere Hälfte mit einer Milchflasche bewaffnet und erhielt den zusätzlich Auftrag, mit Lucy im Anschluss spazieren zu gehen.

Servietten

My Drap, Dinner- Servietten

Als ich dann allein war, widmete ich mich einem umverfänglich scheinenden Thema, dem Bügeln einer Tischdecke. Eigentlich eine unschuldige Aufgabe, wenn man nicht nur eine hätte, die auf den großen Esstisch passt. Das gute Stück war in der Mangel und faltenfrei wie ein Kinder- Popo. Woran ich aber gar nicht mehr gedacht hatte, war, dass beim letzten Einsatz reichlich Traubensaft über sie hinweggeflossen war, der nun augenscheinlich jeglicher Reinigung getrotzt hatte. Diese Decke durfte so auf keinen Fall Kontakt mit dem Esstisch aufnehmen. Da jetzt eh schon alles schief ging, konnte ich meine Dinner- Servietten auftischen, die ich für jeden Anlaß in der Schublade habe.

Karte

kartenmacherei.de

Was nicht mehr schief gehen konnte, war eine Überraschung für unsere Gäste, die ich im Vorfeld bereits in die Wege geleitet hatte. Die Dankeskarten zur Geburt oder Taufe kann man auch für jeden anderen Anlass zweckentfremden und so hatte ich für jeden Gast eine Karte mit einer Auswahl an Fotos unserer Kleinen und guten Wünschen zur Weihnachtszeit. Diese stellte ich für jeden an den Platz.

Natürlich nahm es kein Ende

CD

R. Zuckowski

Wenn an diesem Tag irgendetwas einem roten Faden gefolgt ist, dann die Mißgeschicke. Die Weihnachts- CD, die zur Untermalung dienen sollte, war wie vom Erdboden verschluckt. Stattdessen fanden wir Lucy’s Weihnachts-CD, in der Weihnachtsbäckerei. Wobei man sagen muss, dass Rolf Zuchowski dann doch nicht das richtige zu einem Weinachtsessen ist.

Beim Verpacken der Geschenke hatte ich dann mehrere Erleuchtungen, die mir den Tag aber leider nicht erhellten. Ich hatte in meinem Shoppingwahn 12 Geschenke für meine 10 Monate alte Tochter gekauft. Wie früh kann man sein Kind eigentlich zu negativem Konsumverhalten erziehen? Außerdem übersteigen so viele Geschenke doch die Aufmerksamkeitsspanne über alle Maßen. Hinzu kam, dass ich zu wenig Klebenband zu Hause hatte und die Erwachsenen ihre Geschenke uneingepackt bekamen. Vorgeschoben hatte ich meine Liebe für die Umwelt und dass doch jeder eine Verantwortung dafür trägt, wie viel Müll er produziert.

Lucy, die mit drei Geschenken mehr als ausgelastet war, schlief dann irgendwann erschöpft ein, sodass wir sie schlafend mit in die Messe nahmen. Als diese jedoch gerade mal zehn Minuten lief, wachte Lucy brüllend auf, weil sie ihre Windel dermaßen beansprucht hatte, dass ihre gesamte Hose und Body voll waren, begleitet von einem sehr unangenehmen Geruch, den die nächststehenden Kirchenbesucher mit einer gerümpften Nase quittierten. Natürlich war ich an Heiligabend nicht mit einer vollausgestatteten Wickeltasche unterwegs. Also kämpften wir uns durch die Reihen zum Ausgang und fuhren nach Hause.

Die restliche Familie folgte nach der Messe, da ja noch das gemeinsame Essen auf dem Plan stand. Diesen Part übernahm dann mein Mann, da ich mit Lucy auf der Couch im Wohnzimmer – direkt neben dem leuchtenden Krüppelchen – eingeschlafen war.

Frohe Weihnachten!