Wenn der Papa nicht mehr da ist – Hilfe für Alleinerziehende

Nora

Alleinerziehende sind auf einen ausgeklügelten Tagesablauf angewiesen – nur so klappt der Alltag mit Kind. Wir geben Dir Tipps, um Stress zu vermeiden.

Aktuelle Zahlen in Deutschland zeigen, dass von rund 8,1 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern knapp 20 % alleinerziehende Mütter oder Väter sind. Doch was sind die größten Herausforderungen, wenn Du als Mama oder Papa Dein Kind alleine großzuziehen hast – sei es durch eine Trennung, einen Schicksalschlag oder die bewusste Entscheidung dazu?

Stabile Verhältnisse und harmonisches Umfeld

Mutter spricht mit Kind Kopie

Stabile Verhältnisse und ein harmonisches Umfeld – das wünschen sich doch alle Eltern für ihre Kinder. Schon für zwei Elternteile ist diese Vorstellung oft nicht realisierbar, doch was ist, wenn Du Dein Kind alleine erziehst? Du hast das Gefühl, an vielen Orten gleichzeitig sein zu müssen, veranstaltest jeden Tag einen Wettlauf gegen die Zeit und kannst nicht mal durchatmen, wenn Dein Kind im Bett ist, weil Du schon die kommenden Tage planst? Frühes Aufstehen und die Erarbeitung eines ausgeklügelten Tagesablaufs sind ein Muss für Dich als Alleinerziehende. Jeder unnötige Gang zum Supermarkt oder in die Apotheke ist besser zu vermeiden.

Die Mehrzahl der Alleinerziehenden muss ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften. Mehr als zwei Drittel der Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren sind aktiv erwerbstätig, davon 42 Prozent in Vollzeit, wie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in einem aktuellen Bericht auf seiner Internetseite schreibt. Besonders großen Wert legen Alleinerziehende demnach darauf, dass sie für ihren Lebensunterhalt weiterarbeiten können und das Kind optimal betreut wird.

Doch leider ist die Jobsuche als Alleinerziehender schwierig. Du bist weniger flexibel und meist auf das Verständnis des Vorgesetzten angewiesen, was die Furcht vor Benachteiligung und geringeren Aufstiegschancen zur Folge hat. Hier kommt es auf eine gut organisierte Kinderbetreuung an, denn nur so kannst Du Deinem Job weiter nachgehen. Besonders von Bedeutung ist das, wenn Dein Kind noch klein ist. Fehlende Betreuungsplätze oder unpassende Öffnungszeiten der Kindertagesstätten sind Hürden, mit denen Du konfrontiert wirst. Aber auch bei perfekter Planung kann beispielsweise ein krankes Kind Dein System jederzeit ins Wanken bringen, weswegen die Unterstützung aus dem sozialen Umfeld oft so wichtig ist.

Wusstest Du schon: Wenn Dein Kind krank und jünger als zwölf Jahre alt ist, hast Du insgesamt Anspruch auf 20 zusätzliche freie Tage pro Jahr. Voraussetzung dafür ist, dass Du gesetzlich versichert bist und ein Attest bestätigt, dass Dein Kind in dieser Zeit betreut werden muss. Auch Du kannst natürlich mal krank werden: In dieser Zeit hast Du – sollte Dein Kind jünger als zwölf Jahre alt sein – Anspruch auf eine Haushaltshilfe.

Steuerliche Vorteile

Auch der Staat unterstützt Dich als Alleinerziehende/r! Es gibt besondere Steuervorteile und den Entlastungsfreibetrag. Wenn Du in den Genuss dieser Vorteile kommen möchtest, dann musst Du mit Deinem Kind in einer Wohnung wohnen, Dir sollte Kindergeld beziehungsweise der Kinderfreibetrag zustehen, Du bist unverheiratet und lebst nicht in einer sogenannten Haushaltsgemeinschaft. Wenn alle Punkte zutreffen, dann kannst Du in die Steuerklasse 2 wechseln und somit hast Du Anspruch auf den Entlastungsbetrag in Höhe von 1.908 Euro pro Jahr für das erste Kind, für jedes weitere Kind gibt es 240 Euro zusätzlich. Du bekommst das Geld aber nicht bar auf die Hand, Du kannst den Betrag vielmehr von der Summe Deiner Einkünfte abziehen und Steuern sparen. Der Arbeitgeber zieht Dir also weniger Lohnsteuer vom Gehalt ab. Und es gibt noch einen Vorteil: Du kannst Kosten, die für die Kinderbetreuung anfallen, in der Steuererklärung eintragen. Dazu gehören beispielsweise Kosten für die Tagesmutter, den Kindergarten oder den Babysitter. Insgesamt kannst Du jedoch maximal 4.000 Euro pro Kind und Jahr von der Steuer absetzen.

Um Hilfe bitten und sie annehmen

Es ist wichtig, dass Du um Hilfe bittest und angebotene Hilfe auch annimmst. Da können die Großeltern ihren Enkel zum Beispiel mal in den Kindergarten bringen, die gute Freundin zwei Stunden am Nachmittag auf Deine Tochter aufpassen, damit Du wichtige Termine wahrnehmen kannst, oder die Nachbarin Deinen Einkauf übernehmen. Es klingt so banal und ist doch so wichtig.

Neben den alltäglichen Dingen, die bewältigt werden müssen, stehst Du in Erziehungsfragen erst einmal oft alleine da. Da ist Mama auf einmal beides: mütterlicher und väterlicher Ansprechpartner. Gerade in Situationen, die nicht vorhersehbar sind, kommen Alleinerziehende häufig emotional an ihre Grenzen. Auch wenn Du die Situation meisterst, wünschst Du Dir doch häufig eine zweite Meinung und nicht den ständigen Druck, Entscheidungen treffen zu müssen.

Mama gibt Baby ein Bussi Kopie

Wer übernimmt die Vaterrolle?

In neun von zehn Fällen ist die Mutter das alleinerziehende Elternteil. Doch wer nimmt in solchen Fällen die Vaterrolle ein und was tust Du, wenn diese Rolle unbesetzt bleibt? Psychologen sagen, dass es in erster Linie von Bedeutung ist, dass Kinder überhaupt eine Person haben, auf die sie sich verlassen können. Dabei spielt es erst einmal keine Rolle, ob diese Person weiblich oder männlich ist. Aber gerade bei Jungen hat ein Mann als Vorbild großen Einfluss auf die Entwicklung. Grundsätzlich ist es so, dass der Vater – auch im Falle einer Trennung – der Geeignetste für diesen Part ist. Ist das aber nicht möglich, so können auch andere Männer im Umfeld der Mutter, diese Aufgabe übernehmen. Meist kommt da ein möglicher neuer Partner der Mutter infrage; aber es können beispielsweise auch Onkel oder Opa diese Position einnehmen. Dabei geht es gar nicht darum, dass dieser Mann viel Zeit mit Deinem Sohn verbringt – die Qualität der Treffen ist entscheidend. Wenn Du keinen männlichen Vertrauten in Deiner Umgebung hast, dann kommt Dein Kind auch ohne väterliche Bezugsperson zurecht. Liebe und Akzeptanz sind Werte, die auch eine Mutter vermitteln kann – und im Endeffekt kommt es nur darauf an.

Wenn noch Kontakt und eine Vertrauensbasis zum Ex-Partner besteht, kann das sowohl für Dein Kind als auch für Dich von Vorteil sein. Nicht nur Dein Kind hat damit einen wichtigen Vertrauten, auch Du bekommst die Möglichkeit, Deinen Liebling auch mal „abzugeben“. Diese Pausen von Verpflichtung und Druck sind wichtig für Dich und Deine Gesundheit. Vereinbare feste Besuchszeiten und nimm Dir hier auch einmal Zeit für die Dinge, zu denen Du sonst nicht kommst.

Großes Angebot in jeder größeren Stadt

Heutzutage gibt es in jeder größeren Stadt ein großes Angebot für Alleinerziehende – egal, ob es um den reinen Austausch mit Gleichgesinnten geht oder um eine Sportgruppe, die nur aus Alleinerziehenden besteht. Andere Alleinerziehende verstehen Deine Probleme, können Dir Ratschläge zu Gesetzen und Rechten geben und Du triffst auf Menschen, die jeden Tag vor den gleichen Hürden stehen. Das tut gut! Informiere Dich am besten im Internet, dort findest Du auf einen Blick alle Angebote Deiner Stadt.

Bei speziellen Fragen ist auch der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) ein guter Ansprechpartner – diese gemeinnützige Interessengemeinschaft greift Dir mit aktuellen Informationen und professioneller Beratung unter die Arme. Das sind tolle Dienste, die jeder in Anspruch nehmen kann und soll.