Wie Du Rückenschmerzen vom Babytragen vermeidest

Anne Purschwitz

Dein Baby liebt es, im Tuch getragen zu werden, doch es wird immer älter und damit schwerer? Zeit sich Gedanken zu machen, wie Du den Rückenschmerzen vom Babytragen entgehst. Wir geben Dir Tipps und zeigen Fehler auf, die gerade beim Tragen im Tuch oft gemacht werden.

Das Tragen ist die schönste Art, Deinem Baby von Anfang an Nähe und Geborgenheit zu geben. Dabei ist das Tragetuch die bekannteste Form des Kindertransports. Doch Dein Kind wird älter und damit schwerer. Wir zeigen Dir Tipps und Tricks und decken Fehlerquellen auf, damit das Tragen für Euch beide gemütlich bleibt und Du keine Rückenschmerzen vom Babytragen bekommst.

Warum sollte ich mein Kind überhaupt tragen?

Babys sind Traglinge und sehnen sich nach der wohligen Wärme und Enge des Mutterleibes. Der dichte Körperkontakt, den das Tragen mit sich bringt, stellt dieses Gefühl der Geborgenheit wieder her.

iStock_000023133446_Medium_kleinBesonders Tragetücher, die sich eng an Kind und Träger schmiegen, fördern diesen Effekt und geben auch dem Tragenden ein gutes Gefühl, wenn die Tücher richtig angelegt werden. Kinderärzte und Hebammen sind sich einig, dass das Tragen Babys ausgeglichener macht; es beugt außerdem Hüftschäden beim Neugeborenen vor. Wenn Du dich über die richtige Tragehilfe informieren möchtest, hilft Dir der miBaby-Artikel Tragen, klar. Doch womit? Die schwierige Wahl der richtigen Tragehilfe weiter. Dein Kind im Tuch zu tragen, schafft für Dich ebenfalls neue Möglichkeiten. Du hast die Hände frei und kannst schnelle Arbeiten im Haushalt nun problemlos übernehmen. Komplizierte Wege, etwa mit Treppen, sind mit einem Tragetuch kein Hindernis mehr. Die richtige Tragetechnik trainiert übrigens auch Deinen Rücken.

Warum ist rückenschonendes Tragen besonders für Mütter wichtig?

Falsches Heben und Tragen belastet die Wirbelsäule und kann Rückenschmerzen hervorrufen. Besonders junge Mütter sind gefährdet, da ihre Muskeln nach der Schwangerschaft noch nicht wieder voll belastungsfähig sind. Die Sehnen sind noch besonders dehnbar und die Bauchmuskeln erst nach gut einem halben Jahr wieder annähernd hergestellt. Der untere Rücken fängt meist die fehlende Muskelkraft des Bauches auf. Wenn Du nicht auf rückenschonendes Tragen oder Heben achtest, kann das besonders in diesem Bereich schnell zu Zerrungen oder Verspannungen führen.

Worauf muss ich achten, damit das Tragen rückenschonend bleibt?

Für junge Mütter kurz nach der Entbindung ist es ganz wichtig, den Rückbildungskurs zu besuchen. Der erste Kurs wird von fast allen Krankenkassen übernommen. Er hilft Dir vor allem, Deinen Beckenboden wieder zu stärken, der Deinen Rücken unterstützt und durch die Schwangerschaft und Geburt eventuell etwas Stabilität eingebüßt hat. Außerdem werden in dem Kurs gezielt Schulter- und Rückenmuskulatur aufgebaut, damit Du Deinen Zwerg nicht nur im Tuch ohne Schmerzen tragen kannst. Bei den Tragetüchern ist darauf zu achten, dass sie das Gewicht Deines Kindes gleichmäßig auf Deine Schultern und wenn es geht Deine Hüfte verteilen, weil es sonst zu Verspannungen kommen kann. Dein Kind sollte nah am Körper getragen werden. Nimmst Du Dein Kind auf, solltest Du immer in die Hocke gehen und den kleinen Körper aus den Knien heraus hochnehmen.

Baby in the slingDas Tragetuch erlaubt Dir, Dein Kind vor dem Bauch, auf dem Rücken oder auf der Hüfte zu tragen. Der Hüftsitz belastet Deine Schulter einseitig und sollte ohnehin nur bei älteren Kindern zum Einsatz kommen. Empfohlen wird für die Anfangszeit die Rucksack-Bindung, bei der Du Dein Kind vor dem Bauch trägst. Die Technik ist ebenfalls für das Tragen auf dem Rücken anwendbar. Wenn Dein Kind über acht Kilo wiegt, wird es für das Tragen vor dem Bauch zu schwer und könnte Deinen Rücken unnötig belasten. Dann solltest Du Deinen Zwerg auf den Rücken binden. Es ist wichtig, die Tragepositionen zu wechseln. Achte darauf, dass Du Dich mit dem Kind im Tragetuch immer gerade hältst. Oft machen Tragende den Fehler, dass sie ihr Becken seitlich herausschieben, um das zusätzliche Gewicht auszubalancieren.

Weitere Informationen über Tragehilfen, die den rückenschonenden Transport Deines Kindes möglich machen, erhältst Du in unserem Artikel „Autsch, mein Rücken!“ Wie kann ich mein Baby richtig tragen?

Ist die Rückenschmerzgefahr mit einem Tragetuch höher als mit einer Babytrage?

Grundsätzlich nicht. Du musst nur darauf achten, die Tragepositionen und Bindevarianten an den Körper Deines Kindes anzupassen. Außerdem solltest Du zwischen Positionen auf Bauch, Hüfte und Rücken, auf denen Dein Kind getragen werden kann, jeweils wechseln, um Nacken, Schultern und Rücken gleichmäßig zu be- und entlasten. Dasselbe gilt für die Bindevarianten.

Wie unterstützen mich Tragetücher beim richtigen Tragen?

Ein Tragetuch ist eine Stoffbahn, die im Durchschnitt etwa fünf Meter lang ist und um Dich und Dein Baby geschlungen wird. Die Bindetechnik und das Material sind ausschlaggebend für ein komfortables Trageerlebnis bei Mutter und Kind. Die Tücher bestehen entweder aus elastischem Baumwollmaterial oder sind fest gewebt. Über die genauen Unterschiede informierst Du Dich in unserem Artikel Unsere Tragetuch-Beratung: Darauf musst Du beim Kauf achten.

Das Tragetuch “Ellipsen” von Didymos ist ein bei miBaby-Mamis beliebtes Tragetuch aus fest gewebtem Material. Elastische Tragetücher aus Baumwolljersey werden gern bei Neugeborenen verwendet, da sich das Material besonders eng ans Baby schmiegt, wie etwa das Tragetuch von Ergobaby.

Man unterscheidet bei den Bindevarianten die Känguru- und die Rucksackbindung. Bei der Känguru-Bindung sieht es aus, als ob Dein Baby in einem Beutel an Dir hängt. Das mag komisch klingen, hat sich aber bewährt. Diese Technik ist vor dem Bauch, auf dem Rücken und auf der Hüfte anwendbar. Bei der Rucksack-Bindung, auch Wickel-Kreuz-Trage genannt, kannst Du Dein Kind wie in einem Rucksack vor dem Bauch oder auf dem Rücken tragen. Sie wird für den Anfang empfohlen, weil sie das Gewicht Deines Traglings gleichmäßig auf Schultern und Hüfte verteilt.

Einer der vielen Vorteile von Tragetüchern ist, dass sie sich individuell an die Körper von Kind und Träger anpassen. Es unterstützt beim Tragen den runden Rücken Deines Kindes und stabilisiert das kleine Köpfchen. Die Anhock-Spreiz-Haltung, die Hüftfehlstellungen bei Babys verhindert, wird ebenfalls mittels richtiger Bindetechnik sichergestellt.  Das Tuch ist, anders als eine Babytrage, einfach zu verstauen und nimmt in der Wickeltasche nur wenig Platz weg.

Wie vermeide ich Fehler beim Binden meines Tuchs?

Beim Festziehen der Tuchbahnen solltest Du keinen Katzenbuckel machen, sondern den Rücken gerade halten. Achte darauf, dass die Stränge gerade auf Deinem Rücken liegen. Eine verdrehte Tuchbahn drückt auf die Schulter und verursacht unnötig Schmerzen. Es kann auch sein, dass der Strang dann unter den Achseln drückt.

Wo kann ich mich über das richtige Tragen im Tuch informieren?

Wenn Du ein Tragetuch kaufst, erhältst Du bei vielen Produkten automatisch eine Anleitung dazu. Das Hoppediz Tragetuch Luzern beispielsweise ist mit einer 60-seitigen Anleitung ausgestattet und steht bei miBaby-Mamis hoch im Kurs. Auch Freunde, die gute Erfahrungen mit Tragetüchern gemacht haben, können Dir sicherlich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Hebammen und Kinderärzte geben ebenfalls Auskunft. Im Internet kannst Du Dich bei Trageberatungen informieren oder Tutorials finden, die Dir das rückenschonende Tragen vermitteln.

Unser Artikel Tragetuch und Babytrage – Ganz nah bei Mama oder Papa gibt Dir einen Überblick über Tragehilfen im Allgemeinen. Unser Beitrag Ein Tragetuch für Babys – das sind die Vor- und Nachteile nimmt das Tragetuch noch einmal genauer unter die Lupe.

Der Schnell-Check: Sitzt das Baby korrekt und ist mein Rücken entlastet?

Folgende Fragen solltest Du während des Tragens mit dem Tragetuch mit „Ja“ beantworten können, dann scheint bei Euch alles zu passen. Wenn Du länger unterwegs bist, prüfe immer mal wieder den Sitz Deines Babys und fühle nach, ob das Tragen für Deinen Rücken, Deinen Nacken und Deine Schultern noch in Ordnung ist.

  • Unterstützt das Tuch den Rücken Deines Babys, in dem er sich “runden” kann, wenn es schläft?
  • Ist Dein Kind auch an den Seiten gut abgestützt und sitzt aufrecht?
  • Beim Vor- oder Zurücklehnen bleibt Dein Kind dicht an Deinem Körper?
  • Ist das Köpfchen ausreichend gestützt und wackelt nicht hin und her?
  • Sitzt Dein Baby in der Anhock-Spreiz-Haltung, das heißt, die Knie sind hüftbreit auseinander und sitzen auf Höhe des Bauchnabels?
  • Hast Du die Hände frei und kannst Du Dich gut bewegen?
  • Ist die Bindeweise auch nach längerer Zeit für Dich bequem?

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 Fazit

Das Tragen im Tuch ist für Dich und Dein Baby eine gesunde und schöne Sache – wenn Du es richtig machst und auf Deinen Rücken achtest. Es ermöglicht Euch beiden, die Nähe auszukosten und erlaubt Dir, die Hände freizuhaben, um z.B. Aufgaben im Haushalt zu erledigen. Probiere unterschiedliche Bindepositionen aus und variiere die Tragehaltung Deines Kindes, damit Dein Rücken und Deine Schultern an unterschiedlichen Stellen Belastung erfahren. Auch hier gilt, achte auf das Gewicht Deines Kindes und trage es nicht länger vor dem Bauch als nötig. Wiegt Dein Baby über acht Kilo, solltest Du Dich mit dem Tragen auf dem Rücken anfreunden.