„Windelfrei“ – im wahren Leben wirklich machbar?

Marlen Greb

„Windelfrei“ – sprich: Dein Baby ohne Windel aufwachsen lassen? Geht das wirklich oder ist dieses Erziehungskonzept pure Utopie? Eine Einschätzung von miBaby-Redakteurin Marlen.

„Windelfrei“. In nahezu jeder „Mütter-Runde“ kam dieses Thema bestimmt schonmal auf. Möchte ich wetten. Und wie so oft sind die Meinungen dazu absolut zweigeteilt – die einen sind völlig überzeugt und für wieder andere Mamas wäre „Windelfrei“ absolut unvorstellbar. Doch was heißt „Windelfrei“ genau? Wir haben mal für Dich recherchiert.

Darum geht es bei „Windelfrei“

Standardmäßig wird ein kleines Baby gewickelt. Meistens mit handelsüblichen Wegwerfwindeln, manchmal auch mit Stoffwindeln. Das Konzept Windelfrei will eben genau dies nicht.

Das Baby soll quasi – direkt von Anfang an – (fast) ohne Windeln aufwachsen.

Wie soll „Windelfrei“ funktionieren?

Wir in der westlichen Welt sind so daran gewöhnt, dass Baby und Windel automatisch zusammengehören, dass wir es uns schlicht kaum vorstellen können, dass es auch ohne gehen könnte. Jedoch werden 80 % aller Babys auf der Welt ohne Windel groß – die restlichen 20 % leben in den westlichen Industrienationen.

„Windelfrei“ heißt in der Regel auch nicht, dass ein Baby niemals eine Windel trägt.

Es bedeutet schlicht, dass man lernt, die Signale des Kindes zu deuten und dann eben auch schon einen kleinen Säugling von Geburt an „abhält“ – über die Toilette, ein Gebüsch etc. – statt eine Windel anzulegen. Durch das Abhalten werden Eltern und Kind sehr schnell zu einem eingespielten Team. „Missgeschicke“ passieren nach einiger Zeit angeblich nur noch recht selten. Bis man die Signale seines Babys sicherer lesen kann, wird einfach immer dann abgehalten, wenn das Baby ohnehin meist muss: Nach dem Schlafen, nach dem Stillen, nach längerem Spielen.

Pro und Contra Windeln

Was sind die Vorteile von Windeln?

  • Windeln sind einfach praktisch: kein „Stress“ mit dem Abhalten und keine unangenehmen Situationen in der Öffentlichkeit

Was sind die Vorteile von „Windelfrei“?

  • Windeln begünstigen durch das ständige „Eingepackt-Sein“ die Entstehung eines Wunden Pos – Windelfrei kann die Haut deutlich besser atmen
  • Kinder werden in der Regel deutlich schneller „trocken“, da sie mit zunehmenden Alter ihre eigenen Körpersignale viel besser deuten und kontrollieren können
  • Windeln sind teuer und eine ökologische Katastrophe

 

Warum „Windelfrei“ dennoch selten zur Anwendung kommt

Meine Tochter ist fast vier Jahre alt. „Sauber“ ist sie ungefähr, seit sie zweieinhalb ist. „Windelfrei“ fand ich immer schon spannend – ausprobiert habe ich es aber nie. Warum eigentlich nicht? Vor allem wenn ich mir meine Pro- und Contraliste oben anschaue, wo doch die Vorteile von „Windelfrei“ so eindeutig zu überwiegen scheinen?

Ich weiß nicht. Damals, als „Neumama“, hätte ich mich „Windelfrei“ schlichtweg nicht getraut. Ich war ja so schon überfordert mit all dem Neuen: das Baby hochnehmen, Schlafen, Stillen etc. Und von der großen Verantwortung, die ein kleines Baby so mit sich bringt. Da war ich tatsächlich froh, mir nicht auch noch mit „Windelfrei“ Stress gemacht zu haben. Hätte ich damals die Erfahrung von heute gehabt – ich hätte es mit Sicherheit ausprobiert.

Damals aber hätte ich viel zu viel Angst gehabt und war viel zu unsicher: Man stelle sich vor, ich bin in einem Einkaufscenter, die nächste Toilette ist weit weg und das Kind sendet „Signale“ … Was dann? Abhalten über dem nächsten Dekopflanztopf? Sich selbst vom Baby auf dem Arm hübsch „dekorieren“ lassen? Definitiv nicht gerade eine meiner Lieblingsvorstellungen …

Probier’s aus!?

Grundsätzlich würde ich heute aber sagen, so schlecht ist die Idee mit „Windelfrei“ erst einmal nicht. Wenn Du es Dir vorstellen kannst – und keine Angst vor unangenehmen Situationen in der Öffentlichkeit hast – probier es!

Zuhause oder in der Natur ist es sicherlich gut umzusetzen, wenn Du Dir wirklich die Zeit nimmst, die Signale Deines Kleinen mit der Zeit richtig deuten zu können. Wenn Du mitten in der Stadt lebst und viel „drinnen“ unterwegs bist – im Auto, Einkaufscenter etc. – stelle ich mir die Umsetzung jedoch deutlich schwieriger vor. Allerdings schließt das Konzept von „Windelfrei“ auch nicht aus, dass Du hin und wieder doch auf eine Windel zurückgreifst.

Und eins ist eh klar: Mehr als in die Hose gehen kann es ja nicht …