Zigaretten, Putzmittel, Steine in Babys Mund – Die orale Phase und ihre Gefahren

Nina Sohns

Dein Kleines beginnt, alles in den Mund zu stecken? Das ist völlig normal! Denn im fünften Lebensmonat kommen Babys in die so genannte orale Phase.

Was ist die orale Phase?

Der Mund und die Zunge kann Dein Baby schon sehr früh kontrollieren. In der oralen Phase lernt es seine Umwelt kennen, indem es die Dinge in den Mund nimmt, sie ablutscht und darauf herumkaut. Denn so erfährt Dein Kleines, ob etwas hart, weich, warm oder kalt ist.

Nun machst Du Dir vielleicht Sorgen, dass Dein Schatz etwas in den Mund nehmen oder gar herunterschlucken könnte, was ihm gefährlich werden könnte. Tatsächlich gibt es einiges, das unbedingt außerhalb von Babys Reichweite aufbewahrt werden muss! Zum einen sind das jene Dinge, an denen Dein Schatz sich verschlucken und daran ersticken könnte, zum anderen besteht die Gefahr einer Vergiftung durch beispielsweise Putzmittel. Wichtig ist dabei immer, dass Du auf solche Situationen vorbereitet bist und weißt, wie Du im Ernstfall handeln musst.

Hier kommst Du direkt zu den einzelnen Gefahren und den Erste-Hilfe-Maßnahmen:

Erstickungsgefahr − was tun?

Bleibt Deinem Schatz etwas im Hals stecken, das die Atemwege verschließt, ist es wichtig, die rettenden Erste-Hilfe-Maßnahmen zu kennen! Denn das Gehirn kann lediglich 3–5 Minuten ohne Sauerstoff auskommen. Doch der Rettungsdienst benötigt oft mindestens zehn Minuten.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Erstickungsgefahr

Zuerst kannst Du es mit der altbekannten Rückenklopfmethode versuchen. Doch manchmal hilft sie einfach nicht, denn wenn Dein Kleines z. B. ein Stück Folie oder Luftballon verschluckt hat, das die Atemwege verschließt, ist dies viel zu leicht, als dass die Schwerkraft hilfreich sein könnte. Deshalb ist eine solche Situation besonders gefährlich. Hier kann das so genannte Heimlich-Manöver die rettende Maßnahme sein. Bei dieser wird ein Hustenstoß erzeugt, der den Fremdkörper herauskatapultieren soll.

Die Rückenklopfmethode beim Säugling:

  • Das Baby mit dem Gesicht nach unten auf dem Unterarm halten
  • Mit der flachen Hand 5x zwischen die Schulterblätter klopfen

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Das Heimlich-Manöver beim Säugling:

  • Mit 2 Fingern in der Mitte des Brustkorbs des Säuglings 5x drücken
  • Drucktiefe = 1/3 der Brustkorbhöhe
  • Löst sich der Fremdkörper nicht, Rückenklopfmethode und Heimlich-Manöver wiederholen

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Die Rückenklopfmethode beim Kind:

  • Das Kind über den Oberschenkel legen
  • Mit der flachen Hand 5x zwischen die Schulterblätter klopfen

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Der Heimlich-Handgriff beim Kind:

  • Das Kind von hinten umfassen und die Hände über dem Magen greifen, aber keine Faust machen
  • Die Arme schnell zu sich hin ziehen
  • Wiederholen bis der Fremdkörper sich löst

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Diese Techniken solltest Du auch Oma, Opa, Babysittern und weiteren Menschen, die auf Dein Kleines aufpassen, erklären. Von der früheren Methode, Kleinkinder, die sich verschluckt haben, an den Füßen zu nehmen und diese zu schütteln, wird inzwischen abgeraten!

Achtung giftig! − So reagierst Du richtig 

Aufgrund der vielfältigen Vergiftungsmöglichkeiten ist sofortiger professioneller Rat gefragt. Daher wurden in Deutschland Vergiftungszentralen eingerichtet, die diesen Beratungsdienst anbieten. Diesen ist praktisch jede Art von Vergiftung bekannt und sie geben Auskunft, welche Maßnahmen jeweils zu ergreifen sind. Eine gute Nachricht: In über 80 % der Anrufe kann telefonisch durch die beratenden Toxikologen Entwarnung gegeben werden.

So erreichst Du die Vergiftungszentrale für Deine Region:

  • Für Baden-Württemberg: Vergiftungs-Informationszentrale Freiburg, Tel.: 0761-19240
  • Für Bayern: Toxikologische Abteilung der Technischen Universität München, Tel.: 089-19240
  • Für Berlin/Brandenburg: Institut für Toxikologie, Tel.: 030-19240
  • Für Bremen/Hamburg/Niedersachsen/Schleswig-Holstein: Giftinformationszentrum-Nord – Tel.: 0551-19240
  • Für Hessen/Rheinland-Pfalz: Beratungsstelle bei Vergiftungen der Universität Mainz, Tel.: 06131-19240
  • Für Mecklenburg-Vorpommern/Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen: Gemeinsames Giftinformationszentrum Erfurt, Tel.: 0361-730730
  • Für Nordrhein-Westfalen: Informationszentrale gegen Vergiftungen der Uni Bonn, Tel.: 0228-19240
  • Für das Saarland: Informations- und Behandlungszentrum für Vergiftungen Homburg, Tel.: 06841-19240

Wichtige Angaben beim Anruf in der Vergiftungszentrale:

  • Menge des verschluckten Gifts, wie eine halbe Packung, eine Beere etc.
  • Art des Gifts: Name des Putzmittels, des Medikaments oder Beschreibung der Pflanze
  • Symptome, wie Verhalten, Schmerzen, Erbrechen
  • Zeitpunkt der Einnahme und seitdem verstrichene Zeit
  • Alter und Gewicht des Kindes

Putzmittel

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Vergiftung mit Reinigungsmitteln

Spülmittel, Shampoo & Co.:

  • Auf keinen Fall Erbrechen auslösen bei Spül- und Waschmitteln, Shampoo oder vergleichbaren, schäumenden Mitteln! Beim Erbrechen könnten Schaumbläschen in die Lunge geraten, was zu einem Lungenödem führen könnte.
  • Bei Spülmittel oder Shampoo nur in kleinen Mengen nachtrinken, da das Mittel sonst im Magen verstärkt schäumt!

Säuren und Laugen:

  • Auch bei Säuren und Laugen darf kein Erbrechen ausgelöst werden, da hierbei die Speiseröhre beschädigt werden kann. Diese ist sehr empfindlich, während der Magen von einer dicken Schleimschicht geschützt wird und immerhin selbst Magensäure produziert.
  • Hier ist Nachtrinken auf jeden Fall sinnvoll, um den Stoff zu verdünnen. Geeignet sind Wasser, Tee und Säfte. Keine Milch verabreichen, da diese den Transport des Stoffes in den Darm noch beschleunigt!

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Vergiftung mit Medikamenten

Die Vielfalt an Medikamenten, die Dein Kind schlucken könnte, ist riesengroß. Hier kann die Vergiftungszentrale genaue Auskunft geben. Bei den meisten Mitteln hängt es von der Menge ab, ob sie Deinem Schatz gefährlich werden können. Frage bei der Vergiftungszentrale nach; oft rät diese zur Verabreichung medizinischer Kohle. Diese solltest Du Dir in der Apotheke besorgen und für den Fall der Fälle zuhause haben. Am besten geeignet ist Aktivkohle, da die Einnahme von Kohletabletten für Kinder schwer ist.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Vergiftung mit Giftpflanzen

Glücklicherweise schmecken viele giftige Pflanzen und Früchte nicht sehr gut und kleine Kinder spucken sie oft schnell wieder aus. Daher sind die verschluckten Mengen meist nur gering. Es gibt die Faustregel, dass Kinder eine Beere jeder heimischen Pflanze unbeschadet essen können. Vergiftungserscheinungen sind meist Übelkeit oder leichtes Erbrechen.

Hier findest Du ausführliche Informationen über giftige Pflanzen und was zu tun ist, wenn Deinem Schatz eine solche in den Mund gerät. Im Zweifel lieber immer bei der Vergiftungszentrale telefonisch rückversichern oder einen Arzt zu Rate ziehen. Bei sehr starken Vergiftungserscheinungen heißt es: ab ins nächste Krankenhaus!

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Vergiftung mit Zigaretten

Überreste von Zigaretten auf dem Spielplatz sind wirklich ein Unding, kommen aber leider vor. Hat Dein Kleines die Zigarettenkippe heruntergeschluckt, fragst Du Dich natürlich, was zu tun ist und wie gefährlich so eine Tabakvergiftung tatsächlich ist. Hierzu existieren momentan zwei Meinungen: Die einen behaupten, dass der Nikotingehalt einer Zigarette bereits eine für Kleinkinder tödliche Dosis Nikotin enthält. Andere sagen, dass  Nikotin in der Magensäure schwer löslich ist, sodass nach und nach nur geringe Mengen aufgenommen und von der Leber entgiftet werden. Zudem muss man hier zwischen einer vollständigen Zigarette und einer Zigarettenkippe unterscheiden, da letztere hauptsächlich aus Filter und etwas Tabak besteht. Sollte Dein kleiner Schatz also tatsächlich eine Zigarette gegessen haben oder auch nur der Verdacht bestehen, wende Dich sofort an den Giftnotruf, um die Gefährdung durch die geschluckte Menge Tabak und Nikotin einschätzen zu lassen!

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Unappetitlich, aber ungefährlich

Zum Glück ist nicht alles gleich schädlich! So gibt es zuhause und auf Spielplätzen vieles, das man als Erwachsener zwar eklig findet, den Kleinen aber nichts weiter ausmacht, wenn sie es in den Mund nehmen.

Krümel, Fussel, Dreck
Dein Schatz findet beim Robben und Krabbeln jeden Fussel und steckt ihn in den Mund? Keine Sorge: Damit wird Babys Immunsystem schon fertig! Grundsätzlich gilt, dass ein Baby-Haushalt zwar sauber, aber nicht steril sein sollte. Dass Dein Schatz auch mit Keimen in Berührung kommt, stärkt seine Abwehrkräfte. Erfahre hier mehr darüber!

Sand und Erde
Sand und Erde landen im Laufe der oralen Phase zweifellos im Mund jedes Kindes. Keine Panik! Sand und Erde an sich sind nicht schädlich. Allerdings könnten in Sandkästen auf öffentlichen Spielplätzen Scherben liegen und Erde könnte düngerhaltig sein. Aus diesem Grund ist es besser, Deinem Kleinen gleich zu vermitteln, dass Sand und Erde nicht in den Mund gehören. Spätestens nach einer Kostprobe wird es dies jedoch selbst feststellen!

Tierkot
Natürlich ist es eine sehr unappetitliche Vorstellung, dass Dein Kleines Tierkot gegessen haben könnte. Doch es ist oft weniger schlimm als es scheint! Zum einen werden die Ausscheidungen meistens nicht geschluckt, sondern nur aus Neugierde in den Mund genommen – wirklich schmecken wird das Deinem Kind sicher nicht und es spuckt das schnell wieder aus. Zum anderen tötet die Magensäure viele Keime ab, weshalb es selten zu ernsthaften Infektionen kommt. Im schlimmsten Fall ist ein Wurmbefall die Folge, weshalb Du am besten den Kinderarzt kontaktierst, um auf Nummer sicher zu gehen.

Steinchen
Steinchen werden auch mit Vorliebe in den Mund genommen. Wird ein Stein geschluckt, landet der meist ein bis zwei Tage später in der Windel. Nur wenn der Stein scharfkantig ist, könnte es zu Problemen kommen. Wenn Dein Schatz Bauchweh oder Blut im Stuhl hat, solltest Du den Kinderarzt aufsuchen.

Du siehst, viele Dinge sind für Deinen Schatz nicht wirklich gefährlich. Nun solltest Du am besten einen Mittelweg finden. Natürlich solltest Du Dein Kleines nicht alles in den Mund nehmen oder essen lassen. Schon mit einem halben Jahr kannst Du ruhig damit beginnen, Deinem Kind klar zu machen, dass ein Stein „bah“ ist. Das Gleiche gilt, wenn es im Sandkasten mal die sandigen Finger in den Mund steckt. Ein Kind muss auch erst einmal diese Erfahrung gemacht haben, um zu lernen, dass Sand im Mund ziemlich unangenehm ist.