Stillen nach Bedarf – „eine Wohltat für die Babys“

Nora

Wir sagen Dir, ob Stillen nach Bedarf ein gutes Beruhigungsmittel für Dein Baby ist und was Du beachten musst.

Das Stillen nach Bedarf setzt sich bei frisch gebackenen Müttern immer mehr durch. Bei dieser Art des Stillens entscheidet Dein Baby darüber, wann es gefüttert wird. Zahlreiche Hebammen sind froh über diesen Trend, da die Kinder „zufrieden und entspannt“ sind. Wir haben mit unserer miBaby-Hebamme Gerlinde Kettenring über die Vor- und Nachteile dieser Vorgehensweise gesprochen.

miBaby: Was genau versteht man unter Stillen nach Bedarf?

Gerlinde Kettenring: Stillen nach Bedarf bedeutet, das Baby dann zu füttern, wenn es hungrig ist. Dazu ist es wichtig, die Hungerzeichen des Babys zu verstehen, dazu gehören z. B. Saugbewegungen, Saug- und Schmatzgeräusche, schnelle Augenbewegungen, Unruhe und Weinen – dies setzt jedoch häufig erst ein, wenn alle anderen Signale nicht verstanden wurden. Es bedeutet auch, dass Dein Baby  evtl. in kurzen Abständen hintereinander gestillt wird: Vorspeise – Hauptspeise – Nachspeise; dies nennt man „Cluster feeding“.

Ist es richtig, dass sich bei frisch gebackenen Müttern seit einigen Jahren das Stillen nach Bedarf durchgesetzt hat?

Ja, das ist richtig. Dank der Säuglingsforschung setzt sich das Stillen nach Bedarf immer mehr durch. Es ist eine Wohltat für die Babys, dass endlich jemand verstanden hat, dass ein vorgegebener Stillrhythmus, bei dem keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der Babys genommen wird, einfach nur eine Quälerei ist – sowohl für die Mutter als auch für das Kind.

Was sind die Vorteile?

Zufriedene, entspannte Kinder.

Baby Engel Flügel Kopie

Was sind die Nachteile?

Nachteile beim Stillen nach Bedarf gibt es in dem Sinn nicht, denn wenn eine Mutter versucht einen Stillplan nach Uhrzeit einzuhalten, der nicht dem Hunger des Kindes entspricht, kommt das einer Konditionierung gleich und ist mit immens viel Stress verbunden, da sich das Baby lautstark dagegen wehren wird.

Das Stillen generell kann für die Mutter kräftezehrend und anstrengend sein. Es kommt immer darauf an, mit welcher inneren Haltung und Motivation sich die Mutter für das Stillen entscheidet und dass sie, zumindest die ersten Wochen, eine wohltuende Unterstützung, durch ihren Partner/Mutter etc. bekommt. Zusätzlich ist entscheidend, welcher Stillrhythmus sich zwischen Mutter und Kind entwickelt: Manche Babys trinken in großen Abständen und andere eher häufig.

Viele Mütter haben Angst, dass sie ihre Kinder überfüttern oder verwöhnen. Ist diese Angst berechtigt?

Babys sind kompetente Wesen und wissen genau, wann sie satt sind. Es gibt Babys, die sind während der ganzen Stillzeit eher am unteren Limit der Gewichtszunahme, andere liegen eher über der Gewichtskurve. Die Praxis zeigt immer wieder, dass im Krabbel- und Lauflernalter der Babyspeck wieder verschwindet. Entscheidend ist, den Eltern zu helfen, generell die Signale der Babys zu verstehen, d. h. unterscheiden zu lernen, wann hat mein Kind Hunger und wann zeigt es ein anderes Bedürfnis, damit das Kind nicht angelegt wird, obwohl es keinen Hunger hat. Wäre dies den Eltern mehr bewusst, würde sich meines Erachtens die Frage nach dem Überfüttern weniger stellen.

Zum Verwöhnen: Damit sich ein Baby auf allen Ebenen gesund und entspannt entwickeln kann, ist die körperliche Nähe enorm wichtig – ein Verwöhnen, was körperliche Nähe betrifft, gibt es nicht. Die Nähe ist lebensnotwendig und Nahrung für Körper und Seele.

Du möchtest noch mehr Informationen zum Thema – dann schau Dir doch mal unsere 5 Must-Haves in der Stillzeit an.