Stillen und Chillen

Gerlinde

Breast is best – das wissen alle Eltern. Trotzdem hört man häufig von einem holprigen Start in die Stillzeit und auch ich als Hebamme sehe hier immer wieder viel Beratungsbedarf. Alles was Du für eine entspannte Stillzeit wissen musst, erfährst Du hier.

Stillen

Gestillte Kinder leiden nachweislich seltener an Durchfallerkrankungen, Mittelohrentzündungen und anderen Krankheiten. Aber auch bei den Müttern senkt das Stillen das Risiko für Brustkrebs und andere schwere Erkrankungen. Muttermilch hat eine ideale Nährstoffzusammensetzung, entwicklungsfördernde Inhaltsstoffe und ist immer wohl temperiert, hygienisch, umweltfreundlich. Außerdem spart Stillen mit der naturgegebenen Milch viel Geld. Und es fördert die Mutter-Kind-Bindung gerade nach schwierigen Schwangerschaftsverläufen oder Geburten.

Muss ich mich auf das Stillen vorbereiten?

Stillen Buch

Stillen Buch

Ja, aber nicht durch irgendwelche Abhärtungsmaßnahmen an den ohnehin in der Schwangerschaft empfindlichen Brustwarzen. Lass die Finger von solchen Empfehlungen, da sie zu Verletzungen führen können und außerdem ineffektiv sind. Erweitere stattdessen Dein Stillwissen, denn Stillen ist ein Lernprozess. Früher wurde das Stillwissen innerhalb der Familie weitergegeben. Die heutigen Mütter sind aber oft gar nicht oder nur kurz gestillt worden. Das lag an den oft unsinnigen Empfehlungen in den letzten Jahrzehnten und nicht etwa daran, dass Frauen plötzlich nicht mehr in der Lage waren, genug Milch für ihre Kinder zu produzieren. Informiere Dich also vorab bei Deiner Hebamme, in einer Stillgruppe oder auch durch ein aktuelles Stillbuch. Empfehlen kann ich Stillen von Vivian Weigert.

Brustwarzensalbe

Lanolinsalbe

Deine Wochenbetthebamme begleitet Dich in den ersten zwei Monaten nach der Geburt und auch danach kann sie Dich noch acht Mal in der gesamten Stillzeit bei Problemen besuchen. Die Kosten dafür trägt die gesetzliche Krankenkasse. Wichtig ist, dass Du Dir bei Beschwerden Hilfe suchst, denn Schmerzen oder Unbehagen beim Stillen sind immer ein Signal, dass etwas nicht rund läuft. Du und Dein Baby solltet Euch wohlfühlen beim Stillen. Eine anfängliche leichte Empfindlichkeit der Brustwarzen kann durch eine gute und reine Lanolinsalbe  gelindert werden. Wenn Du diese nicht mehr brauchst, ist sie dann als ein gutes Lippenpflegemittel verwendbar.

Das Baby ist da und nun?

 In der ersten Lebensstunde sind Babys wach, aufmerksam und stillbereit. Durch direkten Körperkontakt nach der Geburt fangen sie meist von alleine an, nach der Brust zu suchen. Lass Dir von der Hebamme helfen, eine bequeme Stillposition zu finden. Sie wird Dir auch erklären, wie ein Baby richtig angelegt und abgenommen  wird. Das ist nämlich die entscheidende Vorbeugungsmaßnahme gegen wunde Brustwarzen. In fast allen Fällen entstehen diese durch ein nicht korrekt angelegtes Baby und sind gleichzeitig mit der häufigste Abstillgrund. Denn natürlich möchte keine Mutter ihr Kind langfristig mit Schmerzen verbunden stillen. Das erste Stillen sorgt dafür, dass sich die Gebärmutter gut zusammenzieht und unterstützt so die Plazentalösung (Mutterkuchen). Auch nach einer schweren Geburt bzw. einem Kaiserschnitt sollte das erste Stillen schnell stattfinden, sobald, Mutter und Kind dazu in der Lage sind. Auch hier unterstützt der direkte Haut-zu Haut-Kontakt den Stillstart.

Wie oft will mein Baby stillen?

Stillkissen Original

Therline Stillkissen

In den ersten 24 Stunden sollte Dein Neugeborenes mindestens sechsmal, am nächsten Tag sechs bis acht mal und ab dem dritten Tag sogar acht bis zwölf mal oder häufiger Muttermilch trinken. Sein gerade mal murmelgroßer Magen und das schnell wachsende Gehirn brauchen diese häufigen kleinen Milch-Mahlzeiten. Keine Sorge, das bleibt natürlich nicht die gesamte Stillzeit so. Warte aber nicht ab, bis Dein Baby schreit, sondern lerne seine frühen Hungerzeichen (Erwachen, Suchbewegungen, Zunge rausstrecken oder saugen am Händchen) zu erkennen. Sorge für eine entspannte Position, zum Beispiel unterstützt durch ein festes Stillkissen und lege Dein Baby zügig an. Ich empfehle das Theraline Stillkissen Original. Es ist bequem, fest und durchwegs sehr beliebt, was man auch an den positiven Rezensionen bei miBaby sieht. Im Übrigen ist es sinnvoll so ein Stillkissen schon in der Schwangerschaft anzuschaffen – es hilft beim Schlafen mit Babybauch und bei Sodbrennen während der ersten drei Monate. Anfangs kann so eine Stillmahlzeit 20 bis 45 Minuten dauern. Auch das verkürzt sich bei einem älteren Baby. Deine Hebamme wird Dir zeigen, wie Du anhand von Babys Aussehen und seinen Ausscheidungen erkennst, dass Dein Baby satt wird und gut gedeiht. Die Waage, die die Hebamme mitbringt, wird Dir diese Entwicklung bestätigen.

Je häufiger Du Dein Kind anlegst und stillst, umso mehr wird hormonell die Milchbildung angeregt. Das stellt auch während der Wachstumsschübe Deines Babys sicher, dass Du genug Muttermilch produzierst. Solltest Du dennoch Zweifel haben, wende Dich an Deine Hebamme oder Stillberaterin, die Dir ggf. zeigen wird, wie Du Deine Milchmenge erhöhst.

Die Milch sprudelt über – was hilft?

Lansinoh Stilleinlagen

Lanisonh Stilleinlagen

Bei manchen Frauen funktioniert der so genannte Milchspendereflex so prompt, dass die Milch aus der Brust austritt, wenn sie ihr Baby nur anschauen oder manchmal sogar dann, wenn ein fremdes Baby schreit. Damit BH und T-Shirt nicht gleich milchgetränkt sind, können Stilleinlagen sinnvoll sein. Es gibt die sehr praktischen Einmalstilleinlagen, die bei Nässe einfach schnell weggeworfen und durch eine neue Einlage ersetzt werden. Ich habe in meiner langjährigen Dienstzeit gute Erfahrungen gemacht mit den Lansinoh Stilleinlagen. Diese sind sehr dünn und tragen kaum auf. Für manche Frauen sind aber auch Mehrwegstilleinlagen aus Naturmaterialien wie Baumwolle, Seide oder Wolle angenehm. Diese sind auswaschbar und haben meist ein etwas höheres Fassungsvermögen.

Stilleinlagen LilyPadz

Stilleinlagen LilyPadz

Praktisch für Badesachen oder mal engere festliche Kleidung sind die LilyPadz. Diese dünnen Silikoneinlagen saugen keine Milch auf, sondern verhindern durch sanften Druck auf die Brustwarze, dass Muttermilch durch den Milchspendereflex austritt. Mütter, die dauerhaft viel zu viel Milch produzieren, sollten sich übrigens auch Hilfe in Form einer Stillberatung holen. Denn auch ein „Zuviel“ an Muttermilch kann zu einer sehr unentspannten Stillzeit für Mutter und Kind führen.

Müde und hungrig – auf was muss ich als stillende Mutter achten?

Der wichtigste Tipp: schlafe, wenn Dein Baby schläft und das nicht nur nachts, sondern auch am Tage. Nutze die Schlafphasen nicht für Haushalt, E-Mails checken und Co., sonst wirst Du nach kurzer Zeit auf dem Zahnfleisch gehen. Wochenbettzeit ist Schlafanzugzeit und es darf gerne auch ein schicker und praktischer Stillpyjama sein.
Lass Dich von Deinem Partner, Familie, Freunden oder auch einer Haushaltshilfe und dem Einkaufslieferdienst unterstützen. Denn Deine einzige Aufgabe sollte es jetzt sein, Dich von der Geburt zu erholen, Dich in Dein Baby zu verlieben und das Stillen zu erlernen. Je weniger Zeit Du in andere Alltagsdinge investieren musst, umso besser wird der Stillstart gelingen. Und sei sicher, Du leistest gerade mehr als genug, in dem Du Euer Kind mit Deiner Muttermilch versorgst.

Sorge auch ernährungstechnisch gut für Dich. Dabei musst Du auf nichts (außer Alkohol) verzichten. Es gibt keine generellen Verbote für bestimmte Nahrungsmittel in der Stillzeit. Was Dir gut tut, verträgt auch in der Regel Dein Baby. Stell Dir kleine Snacks wie Nüsse, Brot oder klein geschnittenes Obst parat, welches Du einhändig auch beim Stillen gut essen kannst. Trinke nach Deinem Durstgefühl – am besten Wasser, verdünnte Saftschorlen oder Tees. Kaffee und Schwarztee sind auch in kleinen Mengen erlaubt. Stillen hilft Dir übrigens nicht nur der Entwicklung deines Babys sondern auch dabei noch vorhandene Schwangerschaftspfunde schneller loszuwerden.

Wie lange soll/ muss/darf ich mein Baby stillen?

Die WHO empfiehlt das ausschließliche Stillen für die sechs Monate und dann das Stillen neben geeigneter Beikost bis zum zweiten Geburtstag oder darüber hinaus, solange Mutter und Kind es wünschen. Ungefähr mit einem halben Jahr (manchmal auch etwas früher oder später) zeigt Dein Baby Interesse an anderer Kost. Alles zum Thema Beikost findest Du übrigens hier.  So wird nach und nach die reine Muttermilchernährung durch gesunde Beikost ergänzt. Entsprechend wird Dein Baby zunehmend etwas weniger stillen. Im ersten Lebensjahr wird die Muttermilch aber mit sein Hauptnahrungsmittel bleiben. Und das ist in Sachen Gesundheit auch gut so. Wie so vieles im Babyleben verläuft dieser Prozess von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Fakt ist aber, dass alle Kinder sich irgendwann von alleine abstillen, allerdings in der Regel nicht vor dem ersten Geburtstag. Also kannst Du entweder solange weiterstillen, wie Dein Baby möchte oder Du entwöhnst Dein Baby langsam und liebevoll von Deiner Brust, wenn bei Dir der Abstillwunsch vorhanden ist.
Eure Stilldauer musst Du aber nicht am Anfang der Stillzeit festlegen, sondern kannst Du ganz entspannt auf Dich zukommen lassen. Du und Dein Kind wisst am besten, was für Euch richtig ist. Lass Dir da von niemandem reinreden, denke aber daran, dass Du Dich auch hier beraten lassen kannst, wenn Du unsicher bist.

Ich habe keine geeigneten Brustwarzen – was soll ich tun?

Avent Niplette

Avent Niplette

Flach- oder Hohlwarzen können ein Stillhindernis darstellen. Allerdings gibt es auch hier Abhilfe. Mit sog. Brustwarzenformern oder Käppchen, die Deine Brustwarzen aufrichten kannst auch Du stillen. Ich kann aus meiner Erfahrung  besonders die Niplette von Avent empfehlen. Mithilfe einer Saugpumpe wird in der aufgesetzten Kappe einen Unterdruck erzeugt und die Brustwarzen werden durch den Sog aufgerichtet. Nach 2-3 Monaten sind Deine Brustwarzen stillbereit.

Und wenn das Stillen doch nicht klappt?

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Medela Brusternährungsset

Die meisten Stillprobleme lassen sich mit fachlicher Unterstützung gut lösen. Manchmal kann es aber auch möglich sein, dass das (volle) Stillen trotz aller Bemühungen nicht gelingt. Dein Baby profitiert von jedem Tropfen Muttermilch, also ist auch ein teilweises Stillen eine gute Option. Mit dem Medela Brusternährungsset kannst Du Dein Kind mit abgepumpter Muttermilch oder Ersatznahrung direkt an der Brust zufüttern. Vielleicht ist der Einsatz dieses Stillhilfsmittels eine Option für Dich, vor allem, wenn Dein Schatz zu schwach ist. Lass Dich dazu von einer Stillberaterin oder Hebamme beraten und in die Benutzung des Brusternährungssets einweisen. Aber auch, wenn Du ganz abstillst, kannst Du Deinem Kind weiterhin ganz viel Nähe, Hautkontakt und vor allem Deine ganze Liebe geben. Dir alternative Wege zur tiefen Mutter-Kind-Bindung aufzuzeigen, ist Aufgabe einer Stillberaterin. Das Buch „Wie, Du stillst nicht?“ ist eine wertvolle und vorurteilsfreie Begleitung und Informationsquelle für nicht (mehr) stillende Mütter. Und denk daran: für Dein Kind bist Du die allerbeste Mama auf der Welt – völlig unabhängig von der Stilldauer oder Muttermilchmenge.