Wie Abstillen funktioniert und worauf Du achten solltest

Julia Eickhoff

Abstillen – Wann ist denn der richtige Zeitpunkt gekommen? Und wie stille ich überhaupt ab? Es ist nicht so kompliziert, wie Du vielleicht denken magst. Unser Ratgeber beleuchtet alles rund um das Thema und gibt Dir außerdem Tipps, wie Du den Abstillprozess sanft unterstützen kannst.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Abstillen gekommen?

Als Abstillen bezeichnet man in der Regel das langsame Entwöhnen eines Babys von der mütterlichen Brust. Fragst Du Dich vielleicht, wann hierfür  der richtige Zeitpunkt ist? Wir müssen Dir leider sagen, dass wir Dir diese Frage nicht beantworten können, aber dennoch ist es eigentlich ganz einfach. Du wirst für Dich selbst spüren, wann Du Abstillen möchtest. Vielleicht ist es sogar noch simpler, und Dein Baby zeigt Dir, dass es auf die Milch „keinen Bock“ mehr hat und lieber das ausprobiert, was Mama und Papa essen.

Generell raten Experten dazu, bis zu sechs Monaten voll zu Stillen. Mehr über das Stillen gibt es in unserem Magazinartikel „Stillen – aller Anfang ist schwer“.

Möchtest (oder musst)  Du allerdings schon eher aufhören, ist das genauso wenig verwerflich wie Deine eventuelle Entscheidung, Dein Kind zum Beispiel noch bis zum zweiten Lebensjahr zu Stillen. Ist das nicht schön und erleichternd?

Was es zu beachten gibt, wenn Du mit der zusätzlichen Fütterung von Babybrei beginnst, verraten wir Dir im Ratgeber „Erster Babybrei: Wann und wie beginnst Du?„.

Baby wird gestillt

Traurigkeit beim Abstillen

Vielleicht hast Du gespürt, dass nun der passende Zeitpunkt zum Abstillen gekommen ist, und nun… Nun ja, nun überfällt Dich auf einmal eine Traurigkeit, und es schleicht sich der Gedanke ein, dass Du Deinem Kind nicht mehr so nahe bist? Betrachte Deine Situation doch einmal rational. Dein Kind hat sich monatelang nur von Deiner Brust ernährt, es war komplett von Mama abhängig, ohne Mama quasi nicht lebensfähig. Und nun musst Du es eben ein Stück weit gehen lassen. Es IST definitiv ein weiterer Schritt im Abnabelungsprozess Mensch. Zuerst wird die Nabelschnur gekappt, dann die Brust, und später kommen und gehen die Kiddies, wann sie wollen.

Du wirst merken, nicht nur Dir fällt das Abstillen schwer. Für Deinen Schatz bedeutet das Gestilltwerden Nähe, Zufriedenheit und Glück pur. Deswegen solltest Du gerade in der Zeit des Abstillens auch darauf achten, dass Du Deinem Kind besonders viel Zuneigung und Nähe schenkst. Es soll nicht das Gefühl haben, auf irgendetwas verzichten zu müssen.

Baby hält Daumen

Natürliches Abstillen

Als natürliches Abstillen bezeichnet man den Prozess, in dem sich Dein Baby selbst abstillt. Du merkst es daran, dass es gar nicht mehr nach Deiner Brust verlangt und Dir interessiert beim Essen zusieht. Es verfolgt den Löffel oder die Gabel, die immer wieder in Deinen Mund wandern. Natürliches Abstillen ist das Optimale, man kann sich das aber leider nicht immer aussuchen. Manche Kinder stillen sich einfach nicht selbst ab oder andere Gründe erfordern ein vorzeitiges Abstillen deinerseits.

Langsames und sanftes Abstillen

Beim langsamen und sanften Abstillen gibt es zwei Möglichkeiten. Hast Du Dein Kind bis zum sechsten Monat gestillt, kannst Du die Mahlzeiten Schritt für Schritt durch Beikost ersetzen. Stillst Du schon eher ab, gibst Du Deinem Liebling als Muttermilchersatz die Säuglingsanfangsnahrung mit der Flasche. Vom Abstillprinzip sind die beiden Methoden allerdings gleich.

Bei einem Abstillen vor dem sechsten Monat ersetzt Du zunächst eine Mahlzeit am Tag durch die Pre-Nahrung. Das ist natürlich oft nicht ganz so einfach. Deswegen ist es sinnvoll, Dein Baby erst an der Brust trinken zu lassen und zum Abschluss ein paar Schlucke aus der Flasche zu geben. Der Geschmack des Saugers wird eventuell anfangs etwas irritierend sein. Benetze ihn doch mit etwas Muttermilch, so hat Dein Schatz einen vertrauten Geschmack auf der Zunge.

Sollte es dann weiterhin zu Schwierigkeiten kommen, kannst Du auch erst einmal etwas Muttermilch in die Flasche füllen. Für Dein Baby fühlt sich der Sauger einfach anders an. Außerdem fehlt der vertraute Geruch und die weiche Haut der Brust im Gesicht des kleinen Menschen.

Woche für Woche kannst Du dann eine Nahrung mehr durch die Anfangsmilch ersetzen. Leg Dich da aber nicht fest. Wenn Dein Baby zwei Wochen oder auch länger nur eine „Ersatzmahlzeit“ trinkt, ist das völlig in Ordnung. Der Rhythmus ist hier nicht vorgeschrieben. Generell stuft man den Abstillprozess mit ca. sechs Wochen ein.

Damit Dein Kind nicht immer Deinen Milchgeruch in der Nase hat, verlass doch beim Füttern einfach mal den Raum und lass den Papa machen. Oft sind Babys eher dazu bereit, sich auf eine Flasche einzulassen, wenn Mama mal nicht da ist.

Worauf muss ich bei der Wahl der richtigen Anfangsmilch achten?

Ersetzt Du die Muttermilch durch Säuglingsanfangsmilch, solltest Du darauf achten, dass folgende Inhaltsstoffe enthalten sind:

  • Langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (LCP)
  • Ballaststoffe

Durch den Namenszusatz „Pre“ bei den entsprechenden Milchprodukten werden diese Anforderungen meist erfüllt.

Welche Beikost gebe ich zu Anfang?

Ersetzt Du die Muttermilch durch Brei, beginnst Du am besten mittags mit ein paar Löffeln gekochter und pürierter Karotte. Zu Anfang sollte man immer nur eine Gemüsesorte verabreichen. Für den Magen-Darm-Trakt Deines Babys stellt diese neue Nahrung eine Herausforderung dar. Daher lieber vorsichtig beginnen. Mag Dein Kind die Möhren so gar nicht essen, kannst Du es auch mit einer Obstsorte probieren.

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Wenn Du auf Beikost umstellst, achte darauf, Deinem Schatz etwas mehr zu trinken zu geben (abgekochtes Wasser oder Tee extra für Babys). Bisher hat die Milch diese Aufgabe übernommen. Da die aber nun ausbleibt, muss der Wasserspeicher anderweitig aufgefüllt werden.

Schnelles Abstillen

Manche Situationen erfordern ein schnelles Abstillen quasi über Nacht. Ein Milchstau oder eine Brustentzündung sind da keine Seltenheit. Auch Dein Baby ist in dieser Situation sicherlich durcheinander und benötigt sehr viel Zuwendung.

Um einen Milchstau oder Entzündungen in der Brust zu vermeiden, gibt es Medikamente, die beim Abstillen helfen. Allerdings sind diese sehr umstritten, da sie unter anderem Kreislaufbeschwerden hervorrufen sollen.

Tipps, wie Abstillen einfach besser funktioniert

Nun weißt Du zwar, wie Abstillen für Dein Kind am besten klappt, aber wie erklärst Du es Deinen eh schon angespannten Nerven und Deinen bis oben hin vollen Milchbrüsten?

  • Geduld

Zunächst einmal: Lass Dir und Deinem Kind, wenn es denn möglich ist, ausreichend Zeit. Es ist für Euch beide nicht einfach, auf die vertraute Nähe und alles, was zum Stillen dazugehört, zu verzichten. Auch wenn es schwerfällt, nimm Dir Zeit für diesen Prozess, und wenn es mal nicht so gut läuft (oder im Falle der Milch wahrscheinlich eher zu gut), dann stille erstmal normal weiter. Äußere Umstände wie Dein Stressgefühl, übertragen sich automatisch auf Dein Kind und können das Abstillen erschweren.

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  • Phytolacca Decandra (Kermesbeere)

Hierbei handelt es sich um Globulis, die die Milchbildung verhindern. Bezüglich der korrekten Potenzierung und Einnahme fragst Du am besten in einer gut sortierten Apotheke nach.

  • Pfefferminz und Salbei

Pfefferminz- und Salbeitee dämmen den Milchfluss ein. Alternativ kannst Du auch Salbei-Bonbons lutschen. Für unterwegs ist eine Tüte Bonbons oftmals praktischer als eine Thermoskanne Tee.

  • Straffer BH

Ein fester, straffer BH (bitte nicht zu eng!) sorgt dafür, dass die Durchblutung und somit auch der Milchfluss eingeschränkt wird.

Tipps bei Milchstau und Brustentzündungen

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Es gibt gute Möglichkeiten, um einen Milchstau oder Entzündungen zu kurieren:

  • Quarkkompressen

Bestreich einfach eine Stilleinlage großzügig mit Speisequark und leg Dir die Kompresse auf die Stelle an der Brust, die hart ist und schmerzt. Der kalte Quark kühlt und zieht die Entzündung aus der betroffenen Stelle.

  • Phytolacca Decandra (Kermesbeere)

Auch hier kommen wieder die Globulis zum Einsatz, die  bevorzugt auf Beschwerden von Drüsen, insbesondere der Brustdrüse wirken.

  • Traumeel S Salbe

Hierbei handelt es sich ebenfalls um ein homöopathisches Heilmittel. Die entsprechende Stelle an der Brust nach Instruktion von Apotheker oder Hebamme eincremen. Du brauchst übrigens keine Angst zu haben, dass die Creme nachher nur im Schrank liegt. Für Beulen und blaue Flecken bei den ersten Gehversuchen Deines Kindes eignet sie sich auch hervorragend.

  • Kühlkompressen

In der Apotheke gibt es Kühlkompressen, die Du, eingewickelt in ein Tuch, auf die schmerzende Stelle legen kannst.

  • Akupunktur

Deine Hebamme bietet sie vielleicht an, ansonsten gibt es bestimmt Ärzte oder andere Fachleute in Deiner Umgebung: Die Akupunktur. Kleine, feine Nadeln werden an bestimmten Punkten an der Brust fixiert (tut nicht weh) und lassen die Milch wieder fließen. Ein absolutes Phänomen (ich spreche aus Erfahrung!).

  • Ausstreichen

Du kannst Deine Brust auch unter warmem Wasser (geht gut unter der Dusche) ein wenig ausstreichen, um den Druck zu lindern. Alternativ Stillöl auf die Brust geben und dann ausstreichen.

  • Abpumpen

Wenn nun so gar nichts mehr hilft, besteht die Möglichkeit,  Milch abzupumpen. Aber genau wie beim Ausstreichen solltest Du darauf achten, dass Du die Brust nicht leer machst, sonst wird eifrig nachproduziert. Es geht nur darum, den Druck fürs Erste loszuwerden.

Eine gute Milchpumpe ist in diesem Fall unerlässlich. Denn durch „falsches“ Pumpen kann der Milchstau sich weiter verschlimmern. Eine elektrische Pumpe ist hier sicher die komfortabelste Lösung für Dich. Aber auch Handmilchpumpen eignen sich, wenn Du nicht allzu oft abpumpen musst.

Wir haben Dir eine Übersicht mit empfehlenswerten Milchpumpen der unterschiedlichen Arten zusammengestellt.

Alarm bei Fieber

Sobald Du Fieber bekommst, geh bitte zu einem Arzt! Hier ist einfach der Fachmann oder die Fachfrau gefragt!

Vorbeugung eines Milchstaus

Zur Vorbeugung eines Milchstaus sollen übrigens auch regelmäßige Massagen gut sein. Gerade in den ersten Wochen ist es sinnvoll, vor jedem Stillen solch eine sanfte Massage zur Lockerung des Gewebes und zum besseren Milchfluss durchzuführen (falls die Zeit reicht – es kommt dabei natürlich auf den „Hungergrad“ Deines Babys an). Auch hierbei wird Dir Deine Hebamme sicherlich mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Übrigens: Hättest Du gedacht, dass auch Stress zu einem Milchstau führen kann? Gönne Dir Ruhe, denn Körper und Seele hängen eng zusammen. Geht es Dir psychisch nicht gut, wirkt sich das oft mit auf den Körper aus.

Und wie und wann fängst Du dann mit dem Brei an? Hier findest Du alles Wissenswerte.
Was genau in den ersten Brei kommt, verraten wir Dir hier.

2 Kommentare – Jetzt lesen
  1. Hört sich alles toll an, aber bei uns ist das Problem das meine Kleine 6Monate jetzt ist und ich sie gern abstillen möchte und es nicht so richtig klappen will, da sie die Flasche nicht annehmen möchte.
    Sie bekommt auch schon Beikost aber zum einschlafen ob am Tage oder nachts ist sie ohne stillen nicht ruhig zu bekommen. Ich habe auch schon etliche Flaschensauger gekauft und versucht aber nichts?
    Habt ihr einen Tip für mich????
    Liebe Grüße

  2. Dieser Text zielt ja nun auf ein sehr zeitiges abstillen ab ( gesehen an der natürlichen Stillzeit von 3-5 Jahren). Warum eigentlich. Und mir fehlt hier auch irgendwie ein Tipp zum Thema: wie stille ich ein Kleinkind ab? Mein Sohn ist jetzt fast 2 Jahre und ich spüre für mich persönlich das Bedürfnis abzustillen. Nur wird er das nicht freiwillig tun ☺️. Was gibt es da für Methoden? In diesem Alter verlangt er ja sehr deutlich nach der Brust und kommuniziert das auch. Muss ich bei einem zweijährigen auch noch Ersatzmilch geben? Über eine Antwort würde ich mich freuen.