Babymilch im Test

Viele Ergebnisse, verschiedene Meinungen – Doch was genau wird eigentlich getestet?

Judith Horsch-Plein
Judith Horsch-Plein
Redakteurin und Mutter
Wir zeigen Dir, wie die Testergebnisse zustande kommen und was sie bedeuten

Wie viele von euch wissen, sind Eva und ich Mamis und wir haben beide Babymilch gegeben. Gerade als frisch gebackene Mama ist man oft verunsichert angesichts des riesigen Angebots und fragt sich: Welche Milch ist denn nun die beste für mein Kind? Wir haben uns letztendlich für die HiPP Babymilch entschieden und waren damit sehr zufrieden. Umso mehr schockieren uns die Testergebnisse von Instituten wie Stiftung Warentest oder Öko-Test. Daher haben wir uns die mal genauer angesehen.

Warum Muttermilch?

Vorweg: Jedes Milchpulver versucht, sich der Zusammensetzung der Muttermilch anzunähern, keine kann das schaffen. Es ist unbestritten, dass Muttermilch für Dein Baby das Beste ist. Denn Muttermilch versorgt das Kind mit allen wichtigen Nährstoffen. Indem Du Dein Baby stillst, schützt Du es vor Infektionen sowie Allergien und förderst die Mutter-Kind-Beziehung. Es gibt aber zahlreiche Mamis, bei denen das Stillen nicht oder nicht auf Anhieb klappt. Sie brauchen dann PRE- oder Anfangsmilch. 

Unabhängige Testinstitute nehmen diese Milchtypen regelmäßig unter die Lupe, testen sie nach verschiedenen Kriterien und veröffentlichen entsprechende Testberichte. Sie untersuchen die Inhaltsstoffe und messen Schadstoffwerte. Schaut man sich das Urteil der HiPP Babymilch an, werden wir stutzig und möchten wissen, wie es zustande kommt:

Hier eine Übersicht über die Tests, von denen wir sprechen:

1. Öko-Test HA-Anfangsnahrungen Juni 2015: HiPP HA-Anfangsnahrungen

2. Öko-Test Ratgeber Kleinkinder September 2015: HiPP Bio Combiotik ® Anfangsnahrung

3. Stiftung Warentest 2016: Anfangsnahrungen

4. Öko-Test Jahrbuch Kinder und Familie 2017 und 2018: HiPP Bio Combiotik ® 

Was testen die Testinstitute?

Unabhängige Testinstitute wie die Stiftung Warentest und Öko-Test lassen in Laboren die Inhaltsstoffe der Milchpulver genau untersuchen. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf möglicherweise enthaltene Schadstoffe oder andere Mängel gelegt. Darüber hinaus bewerten die Institute die Verpackungen und die abgedruckten Produktbeschreibungen (Deklaration). Letzteres kann erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtergebnisse haben.

Gründe für die negativen Ergebnisse der HiPP Babymilch

  1. Der Slogan auf der Verpackung: HiPP wurde auf Grund des Slogans „Nach dem Vorbild der Natur“ abgestraft. Wir finden: Das bedeutet ja genau, dass es keine Muttermilch ist. Die Testinstitute sehen das aber anders und werfen HiPP vor, die Ähnlichkeit der Produkte zur Muttermilch zu stark zu betonen --> Die Beurteilung des HiPP Slogans wirkt sich negativ auf die Gesamtbewertung aus, ohne dass das etwas mit der Qualität des Produktes zu tun hat. Das verunsichert die Mama zu unrecht. Die Testergebnisse wären ohne diese Abwertung besser. 
  2. Inhaltsstoffe: Stiftung Warentest misst 2016 andere Ergebnisse als HiPP selbst. Auch Öko-Test hat 2015, 17 und 18 Mängel an den Inhaltsstoffen festgestellt. Wie diese abweichenden Messungen zustande kommen, vermag ich nicht einzuschätzen. Es wird wohl mit verschiedenen Bewertungen zusammenhängen, deren Ergebnisse dann voneinander abweichen. Detaillierte Ergebnisse könnt ihr beim jeweiligen Testinstitut erwerben. 

Fazit: HiPP hat ein paarmal nicht gut abgeschnitten bei den Tests. Bei den Inhaltsstoffen ist das für den Endkunden schwer zu beurteilen. Beim Stiftung Warentest-Ergebnis von 2016 beispielsweise klingen beide Stellungnahmen glaubwürdig. Da muss sich jeder selbst eine Meinung bilden. 

Die Herabstufung von bis zu drei „Noten“ für den Slogan „Nach dem Vorbild der Natur“ finde ich persönlich hart und  unangebracht. Es ist wohl sogar so, dass auch die höchsten Gerichte Deutschlands bereits bestätigt haben, dass die Aussage „nach dem Vorbild der Natur“ eben genau keine Gleichsetzung mit Muttermilch ausdrückt. Schließlich sagt der Slogan ja nicht aus, dass die Babymilch so gut ist wie Muttermilch, aber eben nach den neuesten Erkenntnissen der Milchnahrungs-Forschung entwickelt wurde und strengsten Qualitätsrichtlinien unterliegt. 

Unser abschließender Tipp: Bevor ihr euch verunsichern lasst, hinterfragt doch einmal, was überhaupt getestet wurde! 


Ich hoffe, wir konnten etwas Klarheit in den Test-Wirrwarr bringen. Ihr müsst letztendlich selbst entscheiden, welche Bedeutung Ihr einem Testurteil beimesst.